Goethe in Weimar

Ein Besuch beim Dichterfürst in Weimar”

Warum willst Du Dich von uns Allen
Und unsere Meinung entfernen ?
Ich schreibe nicht euch zu gefallen
Ihr sollt was lernen”.
GOETHE

Als Samstags in der Früh das Telefon schellte, rech­nete ich mit allem, aber damit nicht. Es meldete sich ein gewisser John aus Weimar, was mich leicht verdutzt machte.

Wie kann ich Ihnen helfen Herr John…?”, antwor­tete ich leicht verwirrt.

Er wäre der Schreiber und Freund von Goethe.

Ich glaubte erst, dass es ein Witz sei, aber der 1. April war ja schon längst vorbei.

Herr Goethe hätte meine Texte gelesen und ihn stört immens meine Darlegung der beiden schiefen Türme von Bologna, wo ich versuche, seine These des “Schiefen” zu wider­legen.

Tja”, sagte ich leicht stolz, “es ist kein Versuch, sondern ein Beweis!”.

Und genau darüber wolle der Herr des Hauses mit mir reden und mich aus diesem Grunde zu sich in sein Gartenhaus nach Weimar einladen.

Ich war doch leicht geschockt, holte aber intuitiv meinen Kalender aus der Schublade.

“Geben Sie etwas vor…”

“Was halten Sie von Pfingsten ?”, meinte John und ich willigte ein.

Als sich nun die Pfingsttage näherten, machte ich mich bei strah­lendem Sonnenschein mit meinem neuen Volvo auf den Weg nach Weimar, schon fünf Mal war ich dort und hatte mein Lieblingshotel am Park an der Ilm für 2 Nächte gebucht.
Für Sonntag Nachmittag um 14 Uhr war ich zum Tee einge­laden.

Goethes Gartenhaus gehört ja zu den meist foto­gra­fierten Häusers Deutschlands und auch ich habe es bei meinen zahl­rei­chen Besuchen mehr­fach fest­ge­halten.

“…schon von weit her erkennbar”

Noch leicht zu früh, ging ich an diesem lauen Pfingst‐​Sonntag sieges­be­wusst durch das weiße Tor in Goethes Garten.

An der rück­sei­tigen Tür war keine Schelle zu erkennen, deshalb benutzte ich den Türklopfer, aller­dings war es gar nicht nötig, denn ich wurde ja erwartet, und John machte mir sofort die Tür auf.
“Schön, dass Sie gekommen sind, Herr Goethe erwartet Sie bereits.”

Die Möbel, das Stehpult, der Sitzbock und die Farben der Wände zeigten, dass es eine Art Rückzugsstätte des viel beschäf­tigten Goethe war … aber warum nimmt er sich die Zeit gerade mich zu empfangen ?

“Rückzugsstätte für geplagte Geister”

John führte mich in die erste Etage in ein privates Zimmer des Hausherren.

…als ich doch leicht nervös das Zimmer betrat

Als ich doch leicht nervös das Zimmer betrat, saß Goethe mit dem Rücken zu mir und schaute aus dem Fenster hinaus in den Park.

…Herr Goethe”, ich traute mich gar nicht laut zu spre­chen, “Sie wünschten mich zu spre­chen”.
Goethe drehte sich schnell auf seinem Hocker herum.
Er sah aus…tja, wie ein normaler Mensch, im Morgenrock mit einer schwarzen Hose und Lackschuhe, ein hoher weißer Kragen ließ seinen Kopf schon leicht versinken.

“…wie ein normaler Mensch”

Es ist mir eine Ehre Herr Goethe, dass Sie mir die Freude machen…”, stot­terte ich – Goethe lachte leicht zynisch.

Erst einmal bestellte er bei der Magd einen Tee und bot mir einen Stuhl an.
“Ich wusste gar nicht, dass Sie Teefreund sind…”, sagte ich etwas verlegen.

…kommen wir zur Sache

Na ja”, sagte Goethe, “kommen wir zur Sache…


“Die zwei schiefen Türme”

Meine Zeit ist knapp…Sie behaupten, dass meine These zu den beiden schiefen Türmen von Bologna nicht stimmen würde, Sie erlauben sich dieses zu behaupten”, sagte Goethe schon leicht erregt und angriffs­lustig.

Ich holte erst einmal Luft, behielt aber die Fassung und konterte.

“Ich war dreimal in Bologna und habe dort Einiges erforscht, auch den mittel­al­ter­li­chen Turmbau…”

Goethe hatte meinen Bericht über die beiden Türme vor sich auf dem Tisch liegen.

“Sie müssen immer bedenken Herr Goethe, auch große Geister können einmal irren.”

Nachdem wir einen Tee genossen hatten, legte ich sieges­be­wusst los…

“nicht nur von Goethe erklommen”

Der Torre Asinelli hat wie jeder weiß, eine ziem­liche Neigung und Sie glauben, dass er schräg gebaut worden wäre, und da liegen Sie falsch…“

Goethe schaute ziem­lich aggressiv und gries­grä­misch aus dem Fenster.

Und Sie meinen dies besser wissen zu müssen…?”, konterte er.

“Sie müssen immer bedenken, wie viele Jahre die Türme schon stehen, durch das lang­same Neigen der Schale des Turmes hat sich ja auch sein Innenleben, also sein Treppenaufgang und seine Stufen geneigt und wenn man hoch­steigt, steht man ja im geneigten Turm geneigt.
Man merkt dies aber kaum…eine Art opti­sche Täuschung..”

…Goethe fing immer mehr an zu Grübeln

Goethe fing immer mehr an zu Grübeln und ich merkte, dass seine Gehirnzellen arbei­teten, er schwieg einen Moment.

Sie behaupten in Ihrem Buch, die Backsteinschichten liegen hori­zontal, natür­lich liegen sie hori­zontal, aber dies ist ja kein Beweis, dass der Turm schräg gebaut worden ist.”

Hiermit holte ich voll gegen Goethe aus.

Der Bau eines solchen Turmes war ja in der dama­ligen Zeit ein ziem­lich mühe­volles Unterfangen und zeit­auf­wendig, aber ihn dann auch noch schräg zu bauen, das war kaum möglich, da liegen bzw. stehen Sie komplett schief Herr Goethe…”

Goethe sagte kein Wort mehr und merkte, dass ich ihn in die Enge treiben wollte.

Aber es war doch klar”, konterte Goethe, “dass damals alles mit Türmen zuge­baut war in Bologna, da musste ja etwas her, was auffiel…”

Schön und gut, aber das beweist ja nicht, dass der Turm schräg gebaut worden ist”, erwi­derte ich.

Wenn Sie nämlich den Nachbarturm, den Torre Garisenda, betrachten, so sieht man, dass dieser wesent­lich kleiner ist, nur er ist auch geneigt, er war damals nämlich schon fast fertig, als man mit Erschütterung sah, wie er sich immer mehr neigte und damit er nicht einstürzte, hat man ihn bis auf eine gewisse Höhe abge­tragen, dadurch steht er heute noch.
Er steht ja direkt neben dem hohen Turm, was zeigt, dass das Fundament nicht nur unter dem kleinen schlecht war und ist, sondern auch unter dem großen…”

Halt…”, rief Goethe und unter­brach mich in meinen umfang­rei­chen Ausführungen.

…er machte einen merk­wür­digen Eindruck

Goethe machte einen merk­wür­digen Eindruck, er merkte, dass ich ihn mit Fachwissen in die Enge getrieben hatte, er konnte und wollte aber von seiner These nicht abgehen, sonst hätte er ja die Stelle in seinem Buch revi­dieren müssen, er war in einer Zwickmühle.
Wahrscheinlich hat sich noch kaum jemand getraut, ihm zu wider­spre­chen und er merkte, dass dieses doch möglich ist.

Was nun ? Keiner sagte mehr ein Wort.
Goethe merkte, dass er sich geirrt hatte und ich wollte nicht noch mehr Beweise und Belege auf den Tisch bringen.

…wir tranken noch einen Tee

Wir tranken noch einen Tee und nach ein paar Minuten stand Goethe auf und machte eine Geste des Abschieds.
Tja, dachte ich, auch die Stärksten haben ihre müden Stunden.

Er geleitet mich persön­lich bis zum weißen Eingangstor und ich verab­schie­dete mich dankend für seine Einladung.

“Wir können es dabei belassen”, sagte er mir zum Abschied.

Als ich am nächsten Morgen Weimar verließ, dachte ich, er soll bei seinem Glauben bleiben und ich bei meinem.

Was lernen wir daraus :

Auch die Stärksten haben ihre müden Stunden”


Nachtrag :

Goethes These, dass die hori­zon­tale Schichtung der Backsteinschichten der Beweis dafür wäre, dass der Torre degli Asinelli, der größere der zwei Türme, schief gebaut worden ist, ist nicht tragbar.
Genauso ist es nicht 100prozentig beweisbar, dass durch die Schrägung des “Innenleben” und die schräge Stellung des Hinaufsteigenden, der Turm schräg geworden ist.
Trotzdem deuten fast alle anderen Argumente darauf hin, dass es kaum möglich war, so einen Turm schief zu bauen und dass die Chance, dass er schräg geworden ist, so gut wie sicher ist.
Aber große Geister können sich eben auch einmal irren, sowohl Goethe, wie auch ich.

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*sh. auch meine Beiträge :

Wagner in Verona

Friedrich Nietzsche in Weimar

Schopenhauer in Frankfurt

               

*sh. Beitrag (Torre degli Asinelli Bologna)


*sh. Fotos :

Goethe Gartenhaus Weimar

Goethe‐​Haus am Frauenplan Weimar

Bildergalerie Italien Bologna


(Sonstiges)


Impressum

Friedrich Nietzsche in Weimar

Der Gekreuzigte”

Als die Sommermonate in diesem Jahr nahten, machte ich mich auf den Weg zum Musensitz Weimar, die Stadt mit der langen Tradition, die die Kultur unzäh­liger Jahre geprägt hat.
Doch es gab auch etwas eher Trauriges hier in Weimar.

Leicht ober­halb des Alten Friedhofes stellte ich den Wagen am Anfang der Humboldt‐​Straße ab – denn zu bedeu­tenden Orten hinauf­zu­gehen ist immer besser, als hinauf­zu­fahren.

Villa Silberblick

Die Temperaturen konnte man schon als leichte Hitze bezeichnen und nach einer Viertelstunde zeigte sich von der Straße her auf der rechten Seite ein Zaun.
Wenn man näher heran­kommt, kann man vorher schon erahnen, dass hier etwas Überraschendes kommen wird.

Ich hatte im Vorfeld gelesen, dass dieses Villa “Villa Silberblick” genannt wird. Man kann also vermuten oder erahnen, dass hier ein guter Blick über Weimar zu genießen ist.
Und den wollte ich erst einmal erbli­cken.

…die Villa ist herr­schaft­lich und archa­isch

Die Villa ist herr­schaft­lich und archa­isch, ganz im Stil einer Künstlervilla, die man oft bei bedeu­tenden Personen aus der Kultur und bei Schöpfern anfindet.

…herr­schaft­liche Künstlervilla

Somit ging ich über den mit Kieselsteinen belegten Vorhof herein und umrun­dete seit­lich die Villa und kam in eine leicht am Hang liegende Gartenanlage.
Ein Gärtner war bei der Arbeit und mähte den Rasen.
Ich sagte zu ihm, dass schon das Umfeld zu der Villa wirk­lich sehens­wert sei, aber er reagierte nicht.

Sinn für Natur

Einen Sinn für Natur musste die Herrin des Hauses schon haben.
Ich wusste, dass der Philosoph nach seinem geis­tigen Zusammenbruch durch seine Schwester gepflegt wurde, mehr nicht.

…ich hatte alles von Nietzsche gelesen

Ich hatte alles von Nietzsche gelesen, manches bis zu viermal.
Meine eins­tige Begeisterung hatte aller­dings nach­ge­lassen, das Radikale und sich selbst Widersprechende nimmt zu schnell die Überhand und es gibt eine Grundregel : um so mehr Schopenhauer, um so weniger Nietzsche.

Ich winkte dem Gärtner noch einmal kurz zu und kam wieder zu dem kiesel­be­deckten Vorhof.
Die hölzerne mäch­tige Eingangstür löste bei mir Erinnerungen an Jugendstil‐​Architektur aus.


Ein Pfleger kam mir entgegen und ich fragte nach der Herrin des Hauses, doch da stand sie mir schon im Innenbereich gegen­über und ich grüßte mit etwas Verlegenheit.
“Frau Förster‐​Nietzsche”, sagte ich, “…meine Hochachtung Sie hier anzu­treffen.”

…sie war klein von Statur

Sie war klein von Statur und ich hatte nach­ge­lesen, dass sie schon einiges erlebt hatte und sehr aktiv in der Vergangenheit war.
“Kommen Sie doch herein…”, erwi­derte sie.

Ich stellte mich kurz und anständig vor und sagte ihr, dass ich sehr viel von ihrem Bruder gelesen habe, meine kriti­schen Anmerkungen ließ ich aller­dings zur Seite.

Dafür, dass sich ihr Mann in einer Siedlungskolonie in Paraguay das Leben genommen hatte und sie hier die Arbeit mit dem hilfs­be­dürf­tigen Bruder erle­digen musste, machte sie einen durchaus stabilen und reso­luten Eindruck.
Ich musste zurück­denken, einige sehr reso­lute Frauen haben schon viel bewegen können, und da gehört Frau Förster‐​Nietzsche dazu.

…ich wollte nicht in Komplimente ausufern

Ich wollte nicht in Komplimente ausufern, sprach ihr aber meine Hochachtung für ihre Mühen bei der Vollzeit‐​Pflege an ihrem Bruder aus – Ehre wem Ehre gebührt.

N wie Nietzsche

Nun kam ich zum eigent­li­chen Grund meines Besuches…

…kann ich ihn sehen ?

… kann ich ihn sehen?”

Sie sagte, dass er die ganze Nacht nicht geschlafen hätte, was öfter vorkommen würde und sie habe mit dem Blick zum Garten eine Art Wintergarten einrichten lassen, wo er sich nach­mit­tags befinden würde.

Nun kam mir ins Gedächtnis, dass dieses herr­schaft­liche Gebäude eigent­lich gar keine Künstlervilla im herkömm­li­chen Sinne ist, wo ein Künstler seiner Tätigkeit nach­geht, sondern eher die “Pflegestation” eines Krankenhauses.

So wie ich wusste, hatte man Nietzsche nach einer Anzahl von wirren Briefen und nach einem Zusammenbruch in Turin in eine Irrenanstalt nach Basel verwiesen.
Sämtliche Heilungsversuche schei­terten, sodass man ihn erst zu seiner Mutter nach Naumburg brachte.
Da müssen, wie schon oft, die Mütter wieder einspringen.

Die Schwester machte sich damals auf den Weg nach Deutschland und nahm der bereits betagten Mutter die Arbeit ab … lobens­wert.
Allerdings wusste ich auch, dass sie die Kontrolle seiner Werke in Form einer Gesamt‐​Ausgabe hatte, bzw. immer mehr in ihrer Hand vereinte.
Dieses ließ ich aber bei der Fortführung der Unterhaltung weg.

…sie führte mich durch wahr­lich stil­voll einge­rich­tete Zimmer

Sie führte mich durch wahr­lich stil­voll einge­rich­tete Zimmer und sagte mir sehr offen, dass sie vor habe, hier eine Art Archiv der Werke ihres Bruders einzu­richten, sie wollte es “Nietzsche‐​Archiv” nennen und es solle das Werk der Nachwelt erhalten.
Ich wurde schon leicht stumm und war begeis­tert von der Idee.

In einer Ecke stand eine große, bestimmt fast 1,50 Meter hohe Büste aus einem Block weißem Marmor ange­fer­tigt, die am oberen Ende das Haupt Nietzsches zeigte.

Massiv‐​Marmor

Noch mit einiger Ehrfurcht blieb ich davor stehen, sehr beein­druckt, egal wie man dem Werk gegen­über­stehen mag.
“Nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt an die Quelle”, zitierte ich mich mal wieder selbst.
Sie lachte und sagte, dass ein guter Freund es sich nicht hätte nehmen lassen, schon vor dem Tod ihres Bruders ihn in Marmor zu verewigen.
“Passt aber sehr gut zum Ambiente…”, erwi­derte ich.

…es waren teil­weise schon einige Schaukästen erstellt

Es waren teil­weise schon einige Schaukästen erstellt, in denen man Dokumente aus dem Leben ihres Bruders sehen konnte – ich hatte das Gefühl, dass er schon lange tot sei.
Da dieses ja nicht der Fall war, drängte ich leicht auf einen persön­li­chen Anblick Nietzsches.

Platz im Wintergarten

Der Wintergarten mit dem Blick in den traum­haft schönen Garten, war fast leer.

…in einem Lehnstuhl saß Nietzsche

In einen Lehnstuhl saß Nietzsche mit einer Wolldecke umwi­ckelt.
Er zeigte keinerlei Regung, als ob er unser Hereinkommen gar nicht gemerkt hätte.

“Schau mal Fritzchen, du hast wieder Besuch…!”, sagte die Herrin.
Ich neigte mich leicht herunter, um Nietzsche ins Gesicht sehen zu können. Er reagierte über­haupt nicht und ich hatte das Gefühl, dass ihm auch gewisse Lähmungen zu schaffen machten.

In dem Moment dachte ich, was aus so einem großen Geist doch werden kann und dass der Geist und der Körper doch zwei voll­kommen unter­schied­liche Dinge sind.

…Nietzsche versuchte seine Hand zu heben

Nietzsche versuchte seine Hand zu heben, ich gab ihm kurz die Hand, seine schien gar keine Kraft mehr zu haben.

Er ist ziem­lich geschwächt…”, sagte die Schwester.
“Es ist immer eine ziem­liche Tortur, bis wir ihn aus dem Schlafzimmer im ersten Stock hier herunter geschafft haben…
“Ja, das glaube ich…”, sagte ich zustim­mend.
“Es ist ja schon einmal gut, dass sie gewisse Helfer und Unterstützer haben…”

…ich hatte mich leicht von Nietzsche abge­wandt

Ich hatte mich leicht von Nietzsche abge­wandt und schaute durch die Fenster in den Garten.
Tja…”, dachte ich, “…Leben ist Leiden – nur die einen trifft es mehr, die anderen weniger.”

Frau Förster‐​Nietzsche meinte, dass es besser wäre, wenn wir ihn nicht weiter anstrengen sollten, da Gesprächsversuche immer für ihn sehr kräf­te­rau­bend seien.

Man kam einfach nicht herum bei der Einrichtung der Räume und den Utensilien, die Nietzsches Lebensweg symbo­li­sierten, zu erahnen, dass hier einmal eine rich­tige Begegnungsstätte und ein zentrales Archiv aller Nietzsche-Verehrer entstehen sollte.
Aber noch lebte er ja.

Als wir uns wieder in den Ess‐​Saal begeben hatten, brannte mir eine Frage auf der Zunge, die ich der reso­luten Dame noch stellen wollte.
“Ihr Bruder ist ja in seinen Werken gegen manches ganz schön ange­gangen, man denke da nur an seine Haltung zur Kirche”, sagte ich und zeigte gewisse Fachkenntnisse.

“Aber, was wird denn nun aus dem umfang­rei­chen Nachlass und allge­mein aus seinen Schriften, wie wollen Sie das ganze archi­vieren und publi­zieren?”

Wir haben uns bereits zusam­men­ge­setzt”, sagte sie konternd, “und wollen nach Fritzchens Tod eine allge­mein­gül­tige Gesamtausgabe heraus­bringen, ich habe schon andere Versuche des Publikmachens unter­bunden.”
“Es soll alles von hier ausgehen, auch der Nachlass, er soll nicht unter den Tisch fallen, wir wollen ihn in einer größeren Anzahl von Büchern auch zugäng­lich machen.”

…ich habe alle Hauptwerke bis zu viermal gelesen

Ich habe alle Hauptwerke bis zu viermal gelesen, vor allem das Tragödienbuch und den Zarathustra”, erwi­derte ich schon ein biss­chen mit Stolz.
“Ihr Bruder hat ein breites Spektrum, vor allem für die Jugend geeignet, wenn man noch auf der Suche ist !”, sagte ich mit einem Lächeln.

Wir planen hier ein Zentrum für alt und jung”, meinte sie, “alle sollen hier Zugang zum Werk haben und Erfahrungen austau­schen können, es haben sich schon einige bekannte Freunde und Förderer gefunden…”

Es war bereits Spätnachmittag und sie führte mich gemäch­lich zurück in den Eingangsbereich.

“Meine Verehrung und Hochachtung vor Ihrer Arbeit…”, sagte ich schon ein biss­chen unter­würfig.
“Ich werde die Werke Ihres Bruders immer in meinem Regal, bzw. in meinem Kopf haben.”

Seien Sie gespannt auf die neue Gesamt‐​Ausgabe, die wir demnächst planen auf den Markt zu bringen”, sagte sie im Abschied begriffen.

Gesamtausgabe

Als ich die Humboldtstraße wieder am lauen Abend herunter Richtung Auto ging, dachte ich, ob so eine Gesamt‐​Ausgabe wirk­lich dem entspricht, was Nietzsche geschrieben und gemeint hat (?), aber da sind ja bis heute die Geister geschieden.

Der Mensch ist etwas, was über­wunden werden muss”

(Nietzsche)



*sh. auch die Beiträge “Wagner in Verona” /​ “Schopenhauer in Frankfurt”
Goethe in Weimar”

* sh. Beitrag “Torquato Tasso Sorrent”
* sh. Beitrag “Blutwunder Neapel

* sh. Fotos Weimar

* Weimarer Klassik (Nietzsche‐​Archiv)

* Literatur‐​Tipp :

“Das Nietzsche‐​Archiv in Weimar”
Stiftung Weimarer Klassik bei Hanser
Carl Hanser Verlag München Wien 2000
ISBN : 3–446-19953–5



(HerrRothBesucht /​ Sonstiges)


Impresssum

Fürstengruft Weimar (2003/​04)

           “Über den Verbleib von Schillers Schädel”
                                Eine Tragödie in 4 Akten

In der Geschichte der Menschheit gab es schon immer unge­löste Rätsel, die zu viel Nachdenken, Rätseln, zu Legenden und Mythen geführt haben.
Das verschwun­dene Bernsteinzimmer, die verschol­lene Original‐​Partitur von Richard Wagners Frühwerk “Rienzi” nach 1945, die Frage nach der Echtheit des Blutes in den beiden Ampullen des Stadtpatrons Neapels San Gennaro , das angeb­lich im Alatsee bei Füssen versenkte Nazi‐​Gold und vieles mehr.

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Goethehaus am Frauenplan Weimar (Juni 2018)

Soll ich von Smaragden reden,
die dein Finger nied­lich zeigt,
manchmal ist ein Wort vonnöten,
Oft ists besser, wenn man schweigt.”
(Goethe – “West‐​östlicher Divan”)


“Die Kunst des tönenden Schweigens”
 

J.W.v.Goethe ist ja nicht nur der größte deut­sche Dichter, poli­ti­sche am Hofe Herzogs Carl August von Sachsen‐​Weimar und Eisenach in der dama­ligen Zeit aktiv, Gesteins‐ und Flora‐​Forscher und hat nebenbei mal eben Jura studiert – er hat sich auch tiefer­grei­fend mit Newtons Farbenlehre beschäf­tigt und hat seine eigene Farbenlehre erstellt.

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Park an der Ilm Weimar (2003/​2018)

                            “Die grüne Lunge Weimars”

Der Park an der Ilm mit seinen 48 Hektar Größe zieht sich kilo­me­ter­lang als eine Art Landschaftspark am Rand der Altstadt von Weimar entlang dem Flüsschen Ilm.  
Er erstreckt sich im Süden von Oberweimar bis hin zum Stadt‐​Schloss und zur Anna‐​Amalia‐​Bibliothek Richtung Norden leicht östlich zur Weimarer Altstadt.
Bei dem Park loka­li­siert man den Zeitraum der Entstehung in die Epoche zwischen 1778 bis 1828.
Soweit schon einmal ein paar Zahlen und Fakten.
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Musée Louis Vouland Avignon (Okt. 2014)

                                “Kunst und Garten”

Was ja immer wieder auffällt, ist die Fusion von Garten und Kunst, die einem an vielen Orten großer Schöpfungen begegnet.
Ob dies nun der Garten von Paul Cezanne in Aix‐​en‐​Provence ist, der Jardin Majorelle in Marrakesch, Monets Garten in Giverny, nörd­lich von Paris oder der Garten von Goethes Wohnhaus “Am Frauenplan in Weimar, wo unser Goethe seinen bota­ni­schen Studie freien Lauf lassen konnte.
(Das Beitragsbild oben zeigt den Garten Goethes in Weimar)

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Blutwunder Neapel (Sept. 2012)

                                “Wahn oder Wahrheit”

  “Die Zeit ist vorbei, wo die Kirche das Monopol des Nachdenkens besaß…”
                                (Fr. Nietzsche, “Die Fröhliche Wissenschaft”)

Es gibt zwei Dinge, die immer wieder die Geister der Menschen anregt, und das sind Legenden und Aberglaube (als Gegenpol zum Glaube).

Friedrich Nietzsche
war ja nun ein ziem­lich strikter Gegner der Kirche und des Christentums – in seinem “Der Antichrist” geht dieses schon in Beschimpfungen über, die sogar denje­nigen erschre­cken, der kein Christ ist.

Somit wollte man ihn nach seinem Tode im Jahr 1900 in Weimar von Seiten der Kirche nicht kirch­lich bestatten… Blutwunder Neapel (Sept. 2012) weiter­lesen