Wenn alle Toten auferstehen

Sterbeanzeigen in italie­ni­schen Städten”

Wer schon einmal in italie­ni­schen Städten weilte, dem fällt etwas auf, was es in Deutschland nicht gibt, nämlich Sterbeanzeigen unter freiem Himmel.

Wenn man bedenkt, was man in frühen Zeiten (und auch heute noch) hier im Heimatlande Gelder ausge­geben hat für die Anzeigen in einem Sterbefall in der Presse, heute soge­nannte Print-​Medien, die ja nun Stück für Stück am aussterben sind und die Generation, die diese gelesen haben, schon zum größten Teil ausge­storben ist.

Und darum geht es, denn keiner weiß, was nach dem Tod kommt, Schopenhauer schreibt zu diesem Thema :

Wenn man stirbt, kommt man wieder in den Urzustand wie vor der Geburt und das Leben ist nur eine Komödie”

Beten an Schopenhauers Grab Ostern 2022 (Zentralfriedhof Frankfurt)

Eine einleuch­tende Idee und logi­sche Erklärung des Todes, auch wenn dies nicht ganz die Lösung der Problematik bietet, was nach dem Tode kommt.

Auch die Christen haben ja Fantasie und lassen Jesu, der für uns alle am Kreuz gestorben ist, wieder von den Toten aufer­stehen, d.h., dass Jesus nicht im Urzustand bleibt, sondern zurück­kehrt, denn eine Rückkehr ist für die Angehörigen etwas schmerz­freier, als ein komplettes Verschwinden.

Die Barmherzigkeit Jesu – Vilnius Litauen

Um jetzt zur Ausgangsthematik zurück­zu­kommen, erkennt man in italie­ni­schen Städten schnell, wie hier Sterbeanzeigen präsen­tiert werden.
Denn in den meisten Städten Italiens gibt es recht­eckige Bretter, eine Art Pin-​Wand, wo die Traueranzeigen der Verstorbenen ange­bracht sind.
Ich schätze, dass diese “Pin-​Wände” von Zeit zu Zeit entleert werden, um Platz für Kommende zu schaffen, denn Tote sterben niemals aus, zumin­des­tens solange es Menschen gibt ! 

Perugias Todesfälle

Auf der oben zu sehenden Tafel scheint der Herr Edoardo Gobbini sehr geschätzt gewesen zu sein, denn er taucht viermal auf, eine eher bedeu­tende Persönlichkeit., aller­dings bringt der Herr Elio Bromuri in Konkurrenz es auch auf vier, alle anderen nur auf einen Aushang.

Diese Tafeln stellen eine wesent­lich preis­güns­ti­gere Bekanntgabe des Todes eines Angehörigen dar als in einer Zeitung.
Die recht­eckigen aufge­klebten Zettel sind auch oftmals reich geschmückt mit Marienbildern, Rosen oder Ornamenten jegli­cher Art, viel­leicht also doch eine Frage des Geldes, denn diese Art der Traueranzeige muss ja auch erst einmal gedruckt werden, aber nur in kleiner Anzahl. 

Wieder einmal benannt nach meiner Mutter

Meine Mutter hatte mehrere Namen : Marie-​Luise, Luise, Marie-​Louise (nach 1945), und Louise (nach 1945), sie hatte oft Schwierigkeiten zu unter­schreiben, weil sie nicht wußte, mit welchem Namen – vor 1945, nach 1945, in Kurzform oder in Langform.
Überall, wo ich hinkomme, ist irgend­etwas nach meiner Mutter benannte :
Luisenstr., Parco Maria-​Louisa, Pension Louise, Boutique Mademoiselle Louise, Villa Marie-​Luise, Luisepark und etli­ches mehr.
Im oben zu sehenden Foto sogar eine Todesanzeige, die mir im mondänen VERONA ins Auge stach, ist ja auch klar, meine Mutter ist ja schon lange tot, aber gestorben ist sie nicht in Verona.

Der Gleichmacher Tod

Da ja alle nach dem Tod wieder gleich sind, sind in den Städten Italiens die Formate der “Sterbeanzeigen” alle gleich groß.

Im noblen FLORENZ sehen trotz des Wohlstandes und der Preise dort die Tafeln mit den ange­brachten Zettel etwas lädiert aus, was aller­dings wetter­be­dingte Gründe haben kann – aller­dings scheint es sich im unten zu sehenden Aushang nicht um Gestorbene zu handeln, wenn man aller­dings bedenkt, dass der Tod auch nicht immer so geordnet und sauber abläuft, könnte es sich doch um so eine Gedenktafel gehan­delt haben, aber Wind und Wetter haben allem zuge­setzt und unlesbar gemacht. 

Leichenfledderei

In anderen Kulturen werden Bestattungen eher gefeiert, weil der Verschiedene mit seinem Tod die Qualen des Lebens über­standen hat, man sieht es also eher als positiv an, nur dass derje­nige dann auf einmal verschwunden ist, das ist schon komisch und das hat wahr­schein­lich schon jeder einmal empfunden.

Nur bei jedem schlägt irgend­wann einmal die Stunde, wie im unten zu sehenden Bild, also viel Spaß im Jenseits, dann werden wir uns alle wiedersehen.

Bei jedem schlägt irgend­wann einmal die Stunde

*Die Barmherzigkeit Jesu (https://www.heiligefaustina.de/das-bild/​)

(Sonstiges)

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