Drachenschlucht bei Eisenach

Wandrer schreite ruhig und still,
weil der Drachen nicht geweckt sein will!”

Wer hat sich als Kind nicht für Drachen, Hexen, Geister und Ungeheuer inter­es­siert, der stehe jetzt auf (?).
Es bleiben alle sitzen, was zeigt, dass die Jugend in jedem noch lange Jahre später schlum­mert.
Ich habe mich eher für Burgen begeis­tert, aber da kann es ja auch Geister geben.

Aber nicht jeder, der nicht aufge­standen ist, weiß, dass es doch noch Orte gibt, an denen Drachen leben oder gelebt haben – sie dürfen aller­dings nicht geweckt werden.

Und einer dieser Ort ist …

…die Drachenschlucht bei Eisenach

Denn unter­halb der Wartburg, leicht südlich, liegt ein “Naturwunder”, was man in unseren Gefilden nicht so häufig zu sehen bekommt.

Der Weg zur Drachenschlucht

Wenn man von der Wartburg Richtung Süden in das Tal hinab­steigt, kommt man als erstes zu der soge­nannten “Sängerwiese”.
Hier sollen in frühen Jahren die Sänger um die Hand der Frauen in einer Art Kampf und Streit geworben haben – heute ist dies hier nicht mehr der Fall, denn dieses findet etwas weiter oben alljähr­lich im Festsaal der Wartburg statt.

Ein Tipp für den schlei­chenden Wanderer sei noch ausge­spro­chen – hier gibt es nämlich Waldmeisterbrause und dies findet man auch nicht so häufig – ich nehme mir einen großen Krug zur Brust.

“Wohl bekomms…”

Schon im Mittelalter soll die Schlucht erwähnt worden sein, als Begegnungsort mit der Natur für Jäger, Sammler und Wanderer.
Die Erschließung der Schlucht sollte nun nutzbar gemacht werden, heute würde man sagen, für die Öffentlichkeit zugäng­lich.
Allerdings gab es in dama­ligen Jahren noch nicht so viele, die sich dort hin trauten, viel­leicht hatte man das Bildnis eines Drachen vor Augen…
…wie dies ?

Der Drachentöter

Wenn man durch die Altstadt von Eisenach bummelt, erkennt man unschwer auf dem Marktplatz den Georgsbrunnen, in der Mitte leicht erhöht, sieht man den Eisenacher Stadtpatron “Der heilige Georg” am Werk, und dieses Werk ist die Tötung eines Drachen.
Dieser Drachen sieht aller­dings eher aus wie ein Wurm, aber ein Wurm ist ja für so eine enge Schlucht wie die Drachenschlucht eher geeignet, als ein großer Drachen.
Aber schon oftmals haben sich ja Würmer in Drachen verwan­delt, um erst einmal den Herannahenden zu täuschen.
Verwandlungen sind ja in Sagen und Märchen sehr beliebt, um die Spannung zu erhöhen.

Der Öffentlichkeit zugäng­lich

Mit zuneh­mender Zeit erkannte man schnell, dass hier mehr draus zu machen sei.
Wege wurden sogar ange­legt und Bohlen und Eisengestänge gelegt, um die Schlucht begehbar zu machen und unter einem fließt der Quellbach.

Wecket mir den Drachen nicht !

Wenn man durch die Enge der oftmals über einem zusam­men­ge­henden Felsen kriecht, wird einem schon Angst und Bange, zudem hört man tröp­felndes Wasser, sieht moos­über­wu­cherte Felspartie, umge­stürzte Bäume und kleine Wasserfälle.
Worte können dies nur schwer fest­halten, auch Bilder nicht, denn vor Ort wirkt es natür­lich auf jeden anders.

Wirkt bedroh­lich eng

Jeden” bedeutet, dass man hier eher auf weitere Menschen(mengen) stoßen kann, als auf Drachen, die schlum­mern ja, der Zulauf der Besucher aber nicht.
Da kann es schon einmal sehr eng werden, wenn einem jemand entgegen kommt.

Moosüberwuchert

Wenn man sich die anderen Menschen einmal wegdenkt und die Sache mit dem Drachen verdrängt, werden hier viele Sinne ange­spro­chen, die Geräusche des Quellbachs, das Grün der moos­über­wach­senen Wände und der Duft der Natur.

Der Duft der Natur

Die eigent­liche Drachenschlucht hat eine unge­fähre Länge von ca. 200 Metern, auch wenn man dies bei dem verschlun­genen Weg nicht genau sagen kann.

Schwer zu berechnen

Nach ca. 200 bis 300 Metern soll sie sich wieder auflösen und in einen normalen Wanderweg über­gehen, soll… – …Sie haben richtig gelesen, denn bis dorthin bin ich nämlich bei meinen 3 oder 4 Besuchen der Drachenschlucht noch nicht gekommen, nicht unbe­dingt aus Angst vor dem Drachen, sondern eher, weil es mich in das leicht unter­halb im Mariental liegende kroa­ti­sche Restaurant zog, wenn der Drachen schon seinen Hunger nicht stillen kann, so brauche ich zu mindes­tens etwas Essbares nach so einem beein­dru­ckenden Erlebnis.

*sh. meine Fotos Drachenschlucht
*sh. meine Fotos Eisenach

(HerrRothBesucht/​Sonstiges)

Impressum

Villa Wagner – Biebrich a. Rhein (Mai 2019)

Die Erleuchtung von Biebrich”

Gibt es über­haupt noch Punkte auf der Wagner‐​Europakarte, wo ich noch nicht war ?
Ja, es gibt sie, denn kaum einer schafft es an alle Stätten zu kommen, wo Richard Wagner geschaffen und gelebt hat, seine Ideen hatte oder vorge­geben hat, diese gehabt zu haben.

Und so ein (jetzt geschlos­sener) Punkt ist die…

Villa Wagner in Biebrich am Rhein

Die eins­tige “Villa Annica” liegt damals wie heute in der Rheingaustr. 137 direkt an der Promenade am Rhein nahe dem Biebricher Schloss.

Wiesbaden – Biebrich

Zur Geschichte dieser mondänen Villa, die jeden Vorbeischreitenden stoppen lässt, sei folgendes gesagt.

Dieses Anwesen wurde 1862 von einem Architekten mit dem Namen Wilhelm Frickhofen fertig­ge­stellt.
Diese impo­sante Villa weist auf der Südseite zum Rhein hin drei Risalite (Fassadengliedernde hervor­sprin­gender Gebäudeteil in ganzer Höhe des Gebäudes zur Fassadengestaltung) auf – dieser archi­tek­to­ni­sche Trick gibt der Villa etwas Verspieltes.
Zudem wird die Fassade durch rote Backsteinbänder geglie­dert.
Architektur war schon immer eine Kunst auch fürs Auge.
Nun wurde das Gebäude nebst einem umfang­rei­chen Garten an einen türki­schen Gesandten mit dem Namen Aristarchi Bey und dessen Frau Anna verkauft und bekam den Namen “Villa Annika”.

Villa Wagner – einst Villa Annika

Allerdings hielt sich dieser Name nicht lange, denn kurz nach der Fertigstellung zog hier im Jahre 1862 eine (heute) wesent­lich bedeu­ten­dere Persönlichkeit ein.

RICHARD WAGNER mietete nämlich zwei Zimmer, nachdem er die vertrag­li­chen Verpflichtungen gegen­über dem Mainzer Verleger Franz Schott über­nommen hatte, um hier seine “Meistersinger von Nürnberg” zu kompo­nieren.
Die Lage der Villa war für Wagner ideal, weil er die Theater von Wiesbaden und Mainz gut errei­chen konnte, genau wie die unmit­tel­bare Nachbarschaft zum Biebricher Schloss, dessen reizender Park zu erqui­ckenden Spaziergängen damals, wie heute einlädt.

Unmittelbare Nachbarschaft

Allerdings muss man der Vollständigkeit halber sagen, dass hier, wie so oft nur Teile der “Meistersinger” voll­endet wurden.
Die Versdichtung und Teile der Komposition wurden hier reali­siert.

Und um das ganze zu heroi­sieren erfand Wagner, wie fast zu jedem Werk auch hier eine Inspirationslegende, nämlich die soge­nannte
Erleuchtung von Biebrich”.

Das pompöse und majes­tä­ti­sche Vorspiel des Werkes war, wie man heute weiß, schon lange vorher in Wagners Kopf entstanden, was er auch in seiner Autobiographie “Mein Leben” zugibt.

Ideal zur Legendenbildung

Dieses ist es Wert von der heroi­sie­renden Struktur her, einmal etwas näher unter die Lupe zu nehmen.

Aber zuvor möchte ich Wagner (als Schriftsteller) selber zu Wort kommen lassen.

“Beim Herannahmen der schönen Jahreszeit kam mir unter derart­higen gemüth­li­chen Eindrücken, zu denen die häufigen Promenaden in dem schönen Parke des Biebrichen Schlosses das Ihrige beitrugen, endlich auch die Arbeitslaune wieder an.
Bei einem schönen Sonnenuntergange, welcher mich von dem Balkon meiner Wohnung aus dem pracht­vollen Anblick des “goldenen” Mainz mit dem vor ihm dahin­strö­menden majes­tä­ti­schen Rhein in verklä­render Beleuchtung betrachten ließ, trat auch plötz­lich das Vorspiel zu meinen “Meistersingern”, wie ich es einst aus trüber Stimmung als fernes Luftbild vor mir gesehen hatte, nahe und deut­lich wieder vor die Seele.
Ich ging daran, das Vorspiel aufzu­zeichnen, und zwar ganz so, wie es heute in der Partitur steht, demnach die Hauptmotive des ganzen Dramas mit größter Bestimmtheit in sich fassend.”
(Mein Leben Seite 924)

Richard Wagner – Mein Leben

Soweit der kurze Ausschnitt in Wagners (diktierter) Auto‐​Biografie.

Dieses ist ein exem­pla­ri­sches Beispiel einer Legendenbildung mit zeit­ver­setzter Überraschungssemantik. Wieso ?

Wagner gibt in diesen Zeilen selber zu, dass das Vorspiel schon längst vorher von ihm geschrieben worden ist (“…wie ich es einst aus trüber Stimmung als fernes Luftbild vor mir gesehen hatte…”).
Sehr geschickt – denn Wagner setzt die vorhe­rige Schaffung dieses sympho­ni­schen Vorspiels stark abwer­tend herunter, es war also (angeb­lich) in trüber Stimmung nur als Luftbild ihm erschienen, also voll­kommen unbe­deu­tend und noch kaum Form habend.

Reizende Lage – reiz­volle Stimmung – reiz­volles Schaffen

Dass dieses Prachtstück einer Künstler‐​Residenz mit so einer Lage und so einem Ausblick jeden begeis­tert, kann man nicht leugnen, auch wenn man wie ich bei Traumwetter Ende Mai nur auf der darun­ter­lie­genden Promenade wandelt.
Wie mag erst der Blick vom Balkon sein und dann in abend­li­cher Stunde… (?), dachte ich, insge­heim immer mit dem Blicke hoch zum Balkon.

Und hier zeigt Wagner sein Geschick, etwas in ein anderes Licht (im wahrsten Sinne des Wortes) zu stellen, um es höher und bedeu­tender zu machen.
Denn diese Art “Erleuchtung” kam ja nicht am Tage, sondern bei einem schönen Sonnenuntergange… und damit nicht genug, denn alles war in verklärter (?) Beleuchtung.
Beleuchtungstechnisch ist kaum noch eine Steigerung möglich.

Aber Wagner hebt die ganze Szenerie noch höher, denn sein Blick rich­tete sich (wie er vorgibt) zum goldenen (!) Mainz und dem davor majes­tä­tisch (!) dahin­strö­menden Rhein, und alles noch in einem pracht­vollen Anblick…
…und dann kommt die Überraschung, denn plötz­lich trat das Vorspiel wieder klar und deut­lich vor seine Seele.
Also nicht vor die Augen, sondern vor die Seele (!)
Die verwen­deten symbol­haften Worte zeigen den Fluss der Musik an.

Eine geniale zeit­ver­setze Überraschungssemantik, wie ich immer zu sagen pflege.

Und als Beweis heißt es weiter, dass es (das Vorspiel) genauso war, wie es heute in der Partitur steht, da gibt es nichts dran zu rütteln und zu zwei­feln, aus basta…!

…in diesem Hause

Wenn man nun die Wirkung des Vorspiels des “Meistersinger” kennt, was ja schon ein bombas­ti­sches sympho­ni­sches Werk ist und auch für Konzerte als Einzelstück mit einem kompo­nierten Abschluss vom Schöpfer auto­ri­siert ist, merkt man, wie geschickt Wagner es versteht, die musi­ka­li­schen Themen so bild­haft darzu­stellen, als wären sie durch den opti­schen Eindruck entstanden.
Also eine Inspirationsquelle für ein Umsetzung in Töne, wie sie nicht besser sein kann.

Soweit Wagners schrift­stel­le­ri­sche Geschicktheit, seine Ideen auch durch Worte noch besser plas­tisch in Scene zu setzen, um alles noch stärker ins Göttliche zu erheben.

Für alle Ewigkeit mani­fes­tiert

Von der Kompositions‐​Struktur her setzt dieses Vorspiel (was noch die Form eine Ouvertüre hat) strah­lend ein, was den Stolz der Zunft der Meistersinger symbo­li­siert.
Festlich bewegt und majes­tä­tisch dahin­schrei­tend, löst es sich zöger­lich und weich auf, die Trompeten schmet­tern dann eine Art wuch­tigen Marsch, was den finalen Aufzug der Meistersinger auf der Festwiese symbo­li­sieren und anti­zi­pieren soll (?).
Ausdrucksvoll, fast sehn­süchtig, so hat es Wagner selbst gefor­dert.
Eine weiter­ge­hende Analyse dieses oft bespro­chenen Vorspiels will ich mir sparen – es ist, und das lässt sich nicht leugnen, ein poly­phones (mehr­stim­miges) Kunststück ersten Ranges.
Im Anhang ein Hörbeispiel dieses Wunderwerkes der Musik.

Und welche Szenerie hätte als Inspirationsquelle besser gepasst, als der Blick von dem Balkon dieses “Zukunftsschlösschens” in abend­li­cher Stunde bei einem Sonnenuntergang mit dem Blick über den Rhein…(?)

Zukunfts‐​Schlösschen

Geschichtlich ging es dann 1889 nach Wagners Tod so weiter, dass ein Zementforscher mit dem Namen Rudolf Dyckerhoff die Villa erwarb und sich hier mit Familie nieder­ließ.
Der nach Osten sich stre­ckende Garten ist noch so erhalten, wie er damals war, der sich nach Westen stre­ckende Teil des Gartens wurde aller­dings nach für nach in den letzten Jahren mit Villen bebaut.
Man kann somit die ganze Pracht des Anwesens, wie es bei Wagners Aufenthalt dort ausge­sehen haben muss, nur erahnen.
Man sieht, dass Künstler und Schöpfer immer eine geeig­nete Kulisse brau­chen, um ihre Werke richtig nieder­zu­legen.

Nach Osten hin erhalten – nach Westen zuge­baut (Google‐​Maps)

An diesem lauwarmen Nachmittag Ende Mai diesen Jahres, ging ich wie verklärt die unter der Villa her führende Promenade auf und ab und hatte immer die Motive des berühmten und majes­tä­ti­schen Vorspiels im Ohr.
Der Weg zurück ins würde­volle Wiesbaden führte an blühenden Rosenhecken und pracht­vollen Villen vorbei.
Wieder im Hotel ange­kommen, setzte ich mich sofort an eine Tisch und wie urplötz­lich kam es aus mir heraus – ich verfasste diesen Beitrag wie ich ihn in trüben Tagen schon vor meinem geis­tigen Auge hatte und zwar so, wie Sie ihn jetzt in diesen holden Zeilen auf meinen Blog lesen können und zwar für immer und für alle Ewigkeit … Amen.

Verachtet mir die Meister nicht
und ehret mir die Kunst
Was ihnen hoch zum Lobe spricht,
fiel reich­lich Euch zur Gunst!”
(3. Act, 5. Scene)


*sh. Fotos Wiesbaden/​Biebrich

*Zur akus­ti­schen Darstellung hier das berühmte Vorspiel unter dem
Dirigat von Christian Thielemann :

https://www.youtube.com/watch?v=ZVO5s9zAqAQ


(Sonstiges/​HerrRothBesucht)


Impressum

Friedrich Nietzsche in Weimar

Der Gekreuzigte”

Als die Sommermonate in diesem Jahr nahten, machte ich mich auf den Weg zum Musensitz Weimar, die Stadt mit der langen Tradition, die die Kultur unzäh­liger Jahre geprägt hat.
Doch es gab auch etwas eher Trauriges hier in Weimar.

Leicht ober­halb des Alten Friedhofes stellte ich den Wagen am Anfang der Humboldt‐​Straße ab – denn zu bedeu­tenden Orten hinauf­zu­gehen ist immer besser, als hinauf­zu­fahren.

Villa Silberblick

Die Temperaturen konnte man schon als leichte Hitze bezeichnen und nach einer Viertelstunde zeigte sich von der Straße her auf der rechten Seite ein Zaun.
Wenn man näher heran­kommt, kann man vorher schon erahnen, dass hier etwas Überraschendes kommen wird.

Ich hatte im Vorfeld gelesen, dass dieses Villa “Villa Silberblick” genannt wird. Man kann also vermuten oder erahnen, dass hier ein guter Blick über Weimar zu genießen ist.
Und den wollte ich erst einmal erbli­cken.

…die Villa ist herr­schaft­lich und archa­isch

Die Villa ist herr­schaft­lich und archa­isch, ganz im Stil einer Künstlervilla, die man oft bei bedeu­tenden Personen aus der Kultur und bei Schöpfern anfindet.

…herr­schaft­liche Künstlervilla

Somit ging ich über den mit Kieselsteinen belegten Vorhof herein und umrun­dete seit­lich die Villa und kam in eine leicht am Hang liegende Gartenanlage.
Ein Gärtner war bei der Arbeit und mähte den Rasen.
Ich sagte zu ihm, dass schon das Umfeld zu der Villa wirk­lich sehens­wert sei, aber er reagierte nicht.

Sinn für Natur

Einen Sinn für Natur musste die Herrin des Hauses schon haben.
Ich wusste, dass der Philosoph nach seinem geis­tigen Zusammenbruch durch seine Schwester gepflegt wurde, mehr nicht.

…ich hatte alles von Nietzsche gelesen

Ich hatte alles von Nietzsche gelesen, manches bis zu viermal.
Meine eins­tige Begeisterung hatte aller­dings nach­ge­lassen, das Radikale und sich selbst Widersprechende nimmt zu schnell die Überhand und es gibt eine Grundregel : um so mehr Schopenhauer, um so weniger Nietzsche.

Ich winkte dem Gärtner noch einmal kurz zu und kam wieder zu dem kiesel­be­deckten Vorhof.
Die hölzerne mäch­tige Eingangstür löste bei mir Erinnerungen an Jugendstil‐​Architektur aus.


Ein Pfleger kam mir entgegen und ich fragte nach der Herrin des Hauses, doch da stand sie mir schon im Innenbereich gegen­über und ich grüßte mit etwas Verlegenheit.
“Frau Förster‐​Nietzsche”, sagte ich, “…meine Hochachtung Sie hier anzu­treffen.”

…sie war klein von Statur

Sie war klein von Statur und ich hatte nach­ge­lesen, dass sie schon einiges erlebt hatte und sehr aktiv in der Vergangenheit war.
“Kommen Sie doch herein…”, erwi­derte sie.

Ich stellte mich kurz und anständig vor und sagte ihr, dass ich sehr viel von ihrem Bruder gelesen habe, meine kriti­schen Anmerkungen ließ ich aller­dings zur Seite.

Dafür, dass sich ihr Mann in einer Siedlungskolonie in Paraguay das Leben genommen hatte und sie hier die Arbeit mit dem hilfs­be­dürf­tigen Bruder erle­digen musste, machte sie einen durchaus stabilen und reso­luten Eindruck.
Ich musste zurück­denken, einige sehr reso­lute Frauen haben schon viel bewegen können, und da gehört Frau Förster‐​Nietzsche dazu.

…ich wollte nicht in Komplimente ausufern

Ich wollte nicht in Komplimente ausufern, sprach ihr aber meine Hochachtung für ihre Mühen bei der Vollzeit‐​Pflege an ihrem Bruder aus – Ehre wem Ehre gebührt.

N wie Nietzsche

Nun kam ich zum eigent­li­chen Grund meines Besuches…

…kann ich ihn sehen ?

… kann ich ihn sehen?”

Sie sagte, dass er die ganze Nacht nicht geschlafen hätte, was öfter vorkommen würde und sie habe mit dem Blick zum Garten eine Art Wintergarten einrichten lassen, wo er sich nach­mit­tags befinden würde.

Nun kam mir ins Gedächtnis, dass dieses herr­schaft­liche Gebäude eigent­lich gar keine Künstlervilla im herkömm­li­chen Sinne ist, wo ein Künstler seiner Tätigkeit nach­geht, sondern eher die “Pflegestation” eines Krankenhauses.

So wie ich wusste, hatte man Nietzsche nach einer Anzahl von wirren Briefen und nach einem Zusammenbruch in Turin in eine Irrenanstalt nach Basel verwiesen.
Sämtliche Heilungsversuche schei­terten, sodass man ihn erst zu seiner Mutter nach Naumburg brachte.
Da müssen, wie schon oft, die Mütter wieder einspringen.

Die Schwester machte sich damals auf den Weg nach Deutschland und nahm der bereits betagten Mutter die Arbeit ab … lobens­wert.
Allerdings wusste ich auch, dass sie die Kontrolle seiner Werke in Form einer Gesamt‐​Ausgabe hatte, bzw. immer mehr in ihrer Hand vereinte.
Dieses ließ ich aber bei der Fortführung der Unterhaltung weg.

…sie führte mich durch wahr­lich stil­voll einge­rich­tete Zimmer

Sie führte mich durch wahr­lich stil­voll einge­rich­tete Zimmer und sagte mir sehr offen, dass sie vor habe, hier eine Art Archiv der Werke ihres Bruders einzu­richten, sie wollte es “Nietzsche‐​Archiv” nennen und es solle das Werk der Nachwelt erhalten.
Ich wurde schon leicht stumm und war begeis­tert von der Idee.

In einer Ecke stand eine große, bestimmt fast 1,50 Meter hohe Büste aus einem Block weißem Marmor ange­fer­tigt, die am oberen Ende das Haupt Nietzsches zeigte.

Massiv‐​Marmor

Noch mit einiger Ehrfurcht blieb ich davor stehen, sehr beein­druckt, egal wie man dem Werk gegen­über­stehen mag.
“Nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt an die Quelle”, zitierte ich mich mal wieder selbst.
Sie lachte und sagte, dass ein guter Freund es sich nicht hätte nehmen lassen, schon vor dem Tod ihres Bruders ihn in Marmor zu verewigen.
“Passt aber sehr gut zum Ambiente…”, erwi­derte ich.

…es waren teil­weise schon einige Schaukästen erstellt

Es waren teil­weise schon einige Schaukästen erstellt, in denen man Dokumente aus dem Leben ihres Bruders sehen konnte – ich hatte das Gefühl, dass er schon lange tot sei.
Da dieses ja nicht der Fall war, drängte ich leicht auf einen persön­li­chen Anblick Nietzsches.

Platz im Wintergarten

Der Wintergarten mit dem Blick in den traum­haft schönen Garten, war fast leer.

…in einem Lehnstuhl saß Nietzsche

In einen Lehnstuhl saß Nietzsche mit einer Wolldecke umwi­ckelt.
Er zeigte keinerlei Regung, als ob er unser Hereinkommen gar nicht gemerkt hätte.

“Schau mal Fritzchen, du hast wieder Besuch…!”, sagte die Herrin.
Ich neigte mich leicht herunter, um Nietzsche ins Gesicht sehen zu können. Er reagierte über­haupt nicht und ich hatte das Gefühl, dass ihm auch gewisse Lähmungen zu schaffen machten.

In dem Moment dachte ich, was aus so einem großen Geist doch werden kann und dass der Geist und der Körper doch zwei voll­kommen unter­schied­liche Dinge sind.

…Nietzsche versuchte seine Hand zu heben

Nietzsche versuchte seine Hand zu heben, ich gab ihm kurz die Hand, seine schien gar keine Kraft mehr zu haben.

Er ist ziem­lich geschwächt…”, sagte die Schwester.
“Es ist immer eine ziem­liche Tortur, bis wir ihn aus dem Schlafzimmer im ersten Stock hier herunter geschafft haben…
“Ja, das glaube ich…”, sagte ich zustim­mend.
“Es ist ja schon einmal gut, dass sie gewisse Helfer und Unterstützer haben…”

…ich hatte mich leicht von Nietzsche abge­wandt

Ich hatte mich leicht von Nietzsche abge­wandt und schaute durch die Fenster in den Garten.
Tja…”, dachte ich, “…Leben ist Leiden – nur die einen trifft es mehr, die anderen weniger.”

Frau Förster‐​Nietzsche meinte, dass es besser wäre, wenn wir ihn nicht weiter anstrengen sollten, da Gesprächsversuche immer für ihn sehr kräf­te­rau­bend seien.

Man kam einfach nicht herum bei der Einrichtung der Räume und den Utensilien, die Nietzsches Lebensweg symbo­li­sierten, zu erahnen, dass hier einmal eine rich­tige Begegnungsstätte und ein zentrales Archiv aller Nietzsche-Verehrer entstehen sollte.
Aber noch lebte er ja.

Als wir uns wieder in den Ess‐​Saal begeben hatten, brannte mir eine Frage auf der Zunge, die ich der reso­luten Dame noch stellen wollte.
“Ihr Bruder ist ja in seinen Werken gegen manches ganz schön ange­gangen, man denke da nur an seine Haltung zur Kirche”, sagte ich und zeigte gewisse Fachkenntnisse.

“Aber, was wird denn nun aus dem umfang­rei­chen Nachlass und allge­mein aus seinen Schriften, wie wollen Sie das ganze archi­vieren und publi­zieren?”

Wir haben uns bereits zusam­men­ge­setzt”, sagte sie konternd, “und wollen nach Fritzchens Tod eine allge­mein­gül­tige Gesamtausgabe heraus­bringen, ich habe schon andere Versuche des Publikmachens unter­bunden.”
“Es soll alles von hier ausgehen, auch der Nachlass, er soll nicht unter den Tisch fallen, wir wollen ihn in einer größeren Anzahl von Büchern auch zugäng­lich machen.”

…ich habe alle Hauptwerke bis zu viermal gelesen

Ich habe alle Hauptwerke bis zu viermal gelesen, vor allem das Tragödienbuch und den Zarathustra”, erwi­derte ich schon ein biss­chen mit Stolz.
“Ihr Bruder hat ein breites Spektrum, vor allem für die Jugend geeignet, wenn man noch auf der Suche ist !”, sagte ich mit einem Lächeln.

Wir planen hier ein Zentrum für alt und jung”, meinte sie, “alle sollen hier Zugang zum Werk haben und Erfahrungen austau­schen können, es haben sich schon einige bekannte Freunde und Förderer gefunden…”

Es war bereits Spätnachmittag und sie führte mich gemäch­lich zurück in den Eingangsbereich.

“Meine Verehrung und Hochachtung vor Ihrer Arbeit…”, sagte ich schon ein biss­chen unter­würfig.
“Ich werde die Werke Ihres Bruders immer in meinem Regal, bzw. in meinem Kopf haben.”

Seien Sie gespannt auf die neue Gesamt‐​Ausgabe, die wir demnächst planen auf den Markt zu bringen”, sagte sie im Abschied begriffen.

Gesamtausgabe

Als ich die Humboldtstraße wieder am lauen Abend herunter Richtung Auto ging, dachte ich, ob so eine Gesamt‐​Ausgabe wirk­lich dem entspricht, was Nietzsche geschrieben und gemeint hat (?), aber da sind ja bis heute die Geister geschieden.

Der Mensch ist etwas, was über­wunden werden muss”

(Nietzsche)



*sh. auch die Beiträge “Wagner in Verona” /​ “Schopenhauer in Frankfurt”

* sh. Beitrag “Torquato Tasso Sorrent”
* sh. Beitrag “Blutwunder Neapel

* sh. Fotos Weimar

* Weimarer Klassik (Nietzsche‐​Archiv)

* Literatur‐​Tipp :

“Das Nietzsche‐​Archiv in Weimar”
Stiftung Weimarer Klassik bei Hanser
Carl Hanser Verlag München Wien 2000
ISBN : 3–446-19953–5



(HerrRothBesucht /​ Sonstiges)


Impresssum

Schopenhauer in Frankfurt

Eine Pilgerfahrt zu Arthur Schopenhauer nach Frankfurt a. M.”

Wie häufig bin ich schon daran vorbei gefahren auf meiner Strecke nach Mannheim ? Immer habe ich sie links liegen lassen und nur eines kurzen Blickes gewür­digt.
Als ich mich nun wieder auf der Strecke der Skyline von Frankfurt näherte, dachte ich, dass ich die Chance endlich nutzen sollte und ich verließ die Autobahn am Westhafen und fuhr die Gutleutestraße am oberen Mainufer entlang.
Der Name der sich lang hinzie­hende Straße klingt schon gut und hinter der Alten Brücke beginnt die Schöne Aussicht, eine Straße, die ihrem Namen alle Ehre macht, denn der Blick über den Main ist nicht der Schlechteste.

…ich parkte den Wagen in einer Seitenstraße

Ich parkte den Wagen in einer Seitenstraße und strebte sofort zur Schönen Aussicht Haus‐​Nummer 17.
An der Schelle stand auch der Name und nachdem ich geschellt hatte, öffnete mir eine Magd.
“Ist Herr Schopenhauer zu Hause, ich hätte ihn gerne einmal gespro­chen…” (?), sagte ich etwas verlegen - “…nein, er ist gerade mit dem Hund draußen, aber kommen Sie doch herein – Herr Schopenhauer wird gleich sicher wieder da sein”, sagte die Magd einla­dend.
So viel Gastfreundschaft hatte ich gar nicht erwartet.

…seine Wohnung war spar­ta­nisch einge­richtet

Seine Wohnung war spar­ta­nisch einge­richtet, ein großer Schreibtisch mit allerlei Manuskripten und Büchern, mehrere Regale mit Literatur, ein altes ausge­ses­senes Sofa, ein schon leicht müffig riechender Teppich auf der Erde – aber ein herr­li­cher Blick über den Fluss aus einem großen Fenster nach Norden hin.
“Tja…”, dachte ich, “…die Wohnung als Spiegel des inneren Ichs…”, dies hatte ich auch schon in Goethes Haus am Frauenplan in Weimar erkannt.
Schon leicht angetan stand ich vor dem Panoramafenster und genoss den Blick auf den Main und die Alte Brücke.

…auf einmal hörte ich Schritte

Auf einmal hörte ich Schritte und drehte mich schnell um – der Pudel war am kläffen, als er mich sah.
“Sie wollten mich spre­chen…?”, sagte Schopenhauer, “…was kann ich für Sie tun?”

In dem Moment war ich schon etwas über­rascht und ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell dem großen Philosophen einmal gegen­über stehen würde.
Seine Körpergröße maß aller­dings knapp über 1,60 Meter, aber die Kleinsten haben immer die meiste Energie.

…auf der Durchreise nach Mannheim

Ja…”, sagte ich etwas verlegen und zöger­lich, “…ich bin auf der Durchreise nach Mannheim und ich dachte…”
“Herr Schopenhauer, ich habe alle Ihre Schriften gelesen, Ihr Hauptwerk alleine dreimal…”

…alleine dreimal gelesen

Ja und…”, sagte er schon leicht abwer­tend.
Die Magd brachte uns einen Kaffee und Schopenhauer setzte sich an seinen großen Schreibtisch, ich ließ mich auf dem ausge­ses­senen Sofa nieder.
“Sie haben ja hier einen tollen Blick…”, sagte ich schon leicht ablen­kend, um wieder etwas zur Ruhe zu kommen.

Durch viel Ärger mit meinen ehema­ligen Nachbarn, habe ich mich seit einem halben Jahr hier in der Schönen Aussicht nieder­ge­lassen, der Blick bringt auch etwas Anregendes für mein Schaffen!“
Da war das entschei­dende Wort gefallen, was ich irgend­wann hätte anspre­chen müssen.
“Ja, ich habe, wie gesagt, viel von Ihnen gelesen und einiges hat mich so begeis­tert, dass ich es mehr­fach gelesen habe, aber…”

Die Bibel der Weltenverneinung

Aber, was…(?)”, wieder­holte er.
“Tja, es ist alles sehr gut geschrieben, aber eines kann ich einfach nicht verstehen.“
Langsam erhob er sein Haupt.
Nun musste ich endlich zur eigent­li­chen Kernfrage kommen, die ich mir vor dem Besuch auf die Fahne geschrieben hatte.

…was haben Sie gegen Hegel ?

Was haben Sie eigent­lich gegen Hegel, dem großen deut­schen Philosophen, der hat Ihnen doch gar nichts getan?”

Schopenhauer wurde leicht rot im Gesicht und erschien etwas verkrampft.
“Hegel, Hegel, wie kommen Sie auf Hegel…?”

Na ja, wenn man Ihre Werke ließt, kommt man ja nicht um diesen Namen herum !”, sagte ich schon etwas vorsichtig.
“Sie haben nichts verstanden, Hegel ist ein nichts­nüt­ziger, dreckiger Schmierfink und Scharlatan…”, sagte er stark erregt.

Einen wider­li­chen, geist­losen Scharlatan und beispiel­losen Unsinnschmierer…

Aber Herr Schopenhauer, sie können doch nicht so unan­ständig über diesen großen Philosophen reden!”, sagte ich ziem­lich geschockt.

Plötzlich sprang Schopenhauer wie von einem Blitz getroffen auf, “…Hegel ist ein Miststück und elender Tintenklekser mit langem Bart, mit einem kastrierten Denken, der nur mit hohlem Wortkram um sich wirft…”,
schrie er stark erregt.
Die Magd kam herein, um zu sehen, was passiert war – verließ uns aber wieder – sie schien derar­tige wutent­brannte Monologe bereits zu kennen.

Schopenhauer rannte zu einem seiner über­füllten Regale und zog ziel­si­cher ein schon stark zerfled­dertes Buch heraus.
Ich kam schon leicht in Verlegenheit, weil ich ja Schopenhauer nur einen fried­li­chen Besuch abstatten wollte.

…in seiner Hand hielt er das Hauptwerk Hegels

In seiner Hand hielt er das Hauptwerk Hegels, “Die Phänomenologie des Geistes”, und ich war über­rascht, dass er es über­haupt in seiner Wohnung duldete.
Er blät­terte wild darin herum, zitierte ein paar Stellen, “…sehen Sie – alles nur Schmierereien von diesem elenden Gelehrten mit seinem impo­tenten Gehabe.”
“Fichte und Schelling haben der Welt gezeigt, wie man es nicht machen sollte, aber Hegel hat mit seinen Schmierereien die deut­sche Sprache verhunzt, er macht sich daraus ein Gewerbe die Sprache zu demo­lieren und einen verrenkten Jargon daraus zu machen…aber das Schlimmste bei der Sache ist, dass nun eine ganze junge Generation heran­wächst, die dieses Geschmiere ernst nimmt und Hegel als seinen Heiligen kürt”, schrie er völlig unge­halten und schon chole­risch.

…ich wurde immer ruhiger

Ich wurde immer ruhiger, es blieb mir auch nichts anderes übrig.

In wider­wär­tigster Art und Weise schafft dieser Flachkopf seine Adepten in sein sinn­loses Geschmiere hinein­zu­ziehen, Worte, die man nur in Tollhäusern zu hören bekommen hat!”

Ich kam leicht in Verlegenheit, und hatte nicht gedacht, dass ich so eine Welle der Empörung auslösen konnte.

Aber Herr Schopenhauer…”, sagte ich, um ihn leicht zu beru­higen, “bedenken Sie, dass Richard Wagner Ihre Schriften hoch schätzt und Nietzsche Sie als sein Erzieher huldigt!”
“Und beide haben nichts gegen Hegel…”

Ach lassen Sie diesen Verrückten mit seinen revo­lu­tio­nären Ideen und der andere soll in seiner Klappsmühle bleiben..”, sagte er wutent­brannt.

…die Magd brachte uns noch einen Kaffee herein

Die Magd brachte uns noch einen Kaffee herein und ich blickte sie schon leicht hilflos an.
Er nahm das Buch Hegels und schleu­derte es in die Ecke, dies hatte er sicher schon mehr­fach damit gemacht, denn so sah es mitt­ler­weile aus.
Der Pudel fing an zu Bellen und sprang aus seinem Korb heraus.

…den Pudel immer dabei

Ich musste erst einmal tief Luft holen, wollte aber die Diskussion nicht ganz abbre­chen.
Um etwas abzu­lenken, fragte ich Schopenhauer nach seiner jetzigen Schöpfung und an was er denn zur Zeit arbeite (?).

Gedanken im Alter

Er zeigte mir einen Ausschnitt aus einem Manuskript, an dem er gerade arbeiten würde und was noch ziem­lich wirr aussah, “Senilia – Gedanken im Alter”, so solle es heißen, wie er mich aufklärte und was zur Zeit nur frag­men­ta­risch vorliegen würde.

…er hatte sich mitt­ler­weile leicht beru­higt

Er hatte sich mitt­ler­weile leicht beru­higt.
“Aber darin kommt doch sicher auch Hegel vor…” – ich biss mir auf die Zunge, wieder den Namen genannt zu haben.

Dieser frech hinge­schmierte Unsinn dieses Nichtnutzes unter­bindet redli­ches Bemühen um die Wahrheit ehrli­cher Philosophen, und alles von so einem Schmierfinken wie Hegel…da kann man auch nicht herum­kommen!”, sagte er wiederum stark empört.

Mit alle dem haben Sie aber erst aufge­tischt, als Hegel unter der Erde war…”, sagte ich schon leicht gewagt, “…warum haben Sie es ihm nicht zu Lebzeiten ins Gesicht gesagt?”

…Schopenhauer wurde knallrot

Schopenhauer wurde knallrot, beru­higte sich aber schnell wieder.

“Verzeihen Sie, aber ich wollte Sie nicht angreifen!”, sagte ich verlegen.

“Wenn etwas der deut­schen Sprache und der ganzen Philosophie geschadet hat, dann ist es das dumme Geschwätz eines Hegels, wo nur Strohköpfe ihr Gefallen daran haben, der landauf und landab als die größte Philosophie der Deutschen ange­pran­gert wird, obwohl es nur ein dreckiger, hohler Unfug ist, der im wirren Kopfe eines geis­tes­kranken Heiligen entstanden ist, der die Universität verschan­delt.”

…langsam bekam ich Hunger

Langsam bekam ich Hunger, wollte aber nicht einfach Schopenhauers beschei­dendes Quartier so verlassen.
Ich schaute mir noch einzelne schon fertig gestellte Fragmente seines nächsten Werkes an, nachdem ich ihn um Erlaubnis gefragt hatte, denn die Schöpfungen vieler Künstler sind demje­nigen am heiligsten, der sie selbst geschaffen hat.

Schopenhauer lächelte ein biss­chen und sein Pudel knurrte in seinem Körbchen in der Ecke.

Ich hoffe, dass ich Ihre Fragen zur Genüge beant­wortet habe, junger Mann”, sagte er schon leicht unge­duldig.

Ja, bezie­hungs­weise fast, aber gewisse Fragen müssen immer offen bleiben, sonst verliert alles ja seinen Reiz”, sagte ich schon im Aufbruch befin­dend.

Ihre Wohnung ist wirk­lich sehr schön, vor allem der Ausblick…”, sagte ich noch­mals eher ablen­kend, um Schopenhauer in Ruhe zu halten.

Nach einer kurzen Verabschiedung, erreichte ich doch noch leicht erregt und außer Atem meinen Wagen in der Seitenstraße der Schönen Aussicht und ich musste tief Luft holen, bevor ich meine Fahrt Richtung Mannheim fort­setzte.

…dass Schopenhauer gestorben sei

Zwei Wochen später lass ich daheim in der Zeitung, dass Schopenhauer gestorben sei und die Magd ihn beim Schreiben an seinem Tisch tot gefunden hätte.
Ich musste schlu­cken, aber bei seinen Aufregungen über Hegel hat wahr­schein­lich das Herz nicht mehr mitge­spielt.

Wenn ich nun jeden Sonntag durch die Uni am Hegel‐​Archiv vorbei jogge, denke ich, was man hier wohl sagen würde, wenn man wüsste, dass ich begeis­terter Leser Arthur Schopenhauers bin und ihn sogar noch persön­lich kennen­ge­lernt habe.
Man würde mich wahr­schein­lich heraus­schmeißen und verjagen.

Wenn dann auch noch ein Gewitter aufzieht, merke ich doch, wie Hegel im Himmel schimpft…
…aber die Frage, warum Schopenhauer Hegel so gehasst hat, ist bis heute für mich nicht beant­wortet worden.

“Die Welt hat etwas von mir gelernt,
das sie nicht wieder vergessen wird”

(Schopenhauer)



*sh. auch meinen Beitrag “Wagner in Verona
*sh. auch meinen Beitrag “Nietzsche in Weimar”


*Schopenhauer‐​Gesellschaft Frankfurt a. Main


*Zitate und Fotos teil­weise entnommen der folgenden Ausgabe :

Sämtliche Werke nach den Ausgaben letzter Hand”
Haffmans Verlag Zürich bei Zweitausendeins, 2006

1. Auflage der Neuausgabe Herbst 2006
Limitierte Ausgabe in 5 Bänden


(Sonstiges)



Impressum

Foto – Story (Teil 13)

Die Geschichte hinter dem Bild

Via Mazzini Verona

Die schon oftmals lasziv aufdring­lich wirkenden Werbung für DUB (Damen‐​Unterbekleidung) und Parfüme auf der Prunkmeile Via Mazzini im ober­ita­lie­ni­schen Verona im Zentrum der Liebe, sticht einem an jeder Ecke gerade zu in die Augen – man würde heute sagen “Eye‐​Catcher”.
Ich foto­gra­fierte im August 2017 dort bestimmt 5 oder 6 dieser aufgei­lenden Werbeplakate und Eier‐​Catcher, quatsch … Eye‐​Catcher.
Doch hier wurden sie abge­nommen (sh. Foto), die Werbewand hat gewiss ein Gewicht, sodass eine Person die Dame gar nicht stemmen kann, um die verfüh­re­risch drein­bli­ckende Person von der Fassade zu nehmen.
Dieses wurde aller­dings aus einem einzigen Grunde ange­gangen, nicht um des Jugendschutzes willen, sondern, um eine weitere neue Dame an dieser Stelle aufzu­hängen und zwar nicht in Rückenlage, sondern stehend.
Wie die aussah, habe ich dann nicht mehr gesehen – ich hatte nicht die Geduld zu warten – es hätte ja auch eine biss­chen komisch ausge­sehen, wenn ich mich mit Kamera posi­tio­niert hätte, um die neue Damen‐​Unterbekleidung foto­gra­fisch fest­zu­halten…



Die Geschichte hinter dem Bild

Franz‐​Liszt‐​Museum Bayreuth

Bei meiner ersten Pilgertour im Jahre 2003, die als Hauptziel das Zentrum der geis­tigen Welt hatte, nämlich Villa Wahnfried in Bayreuth und das Grab Richard Wagners, besuchte ich auch die Villa dessen Schwiegervaters und Gönners Franz Liszt, einem der größten Klavier‐​Virtuosen seiner Zeit, Komponist und Dirigent.
Die herr­schaft­liche Künstlervilla gibt schon viel her und neben einer umfang­rei­chen Sammlung steht dort auch das Klavier Liszt, an dem Wagner und Liszt saßen und spielten.
Nun sagte mir die Dame am Empfang, dass hier sogar Verehrer aus Japan kommen und den Boden küssen würden – ich wollte es nicht über­treiben und bat sie, von mir ein Foto am Klavier stehend zu machen – ich durfte sogar die Hand darauf legen.
Ein Moment, der nicht so oft in diesem Leben wieder­kommen wird – hört sich zwar blöd an, ist aber so, ob man aus Japan kommt oder aus dem Ruhrpott.
So ganz licht­tech­nisch gut ist das Foto mit der alten Minolta‐​Kamera nicht geworden.
Nun zeigte ich ca. 10 Jahre später das Foto voller Begeisterung einer (ehema­lige) Arbeitskollegin und versuchte ihr die Einzigartigkeit dieses Momentes klar zu machen.
Sie schaute mich mit ihren Kugelaugen fragend an…
………es war mir in dem Moment schon etwas pein­lich, aber ich hatte ganz vergessen, dass nicht jeder Franz Liszt kennt.

Die Geschichte hinter dem Bild

Dante‐​Pizza (Verona)

Wenn man in Italien um jemanden nicht herum kommt und zwar in keiner Stadt und an keinem Ort, dann ist dies Dante.
Besser gesagt, Dante Alighieri, der große italie­ni­schen Dichter und Schöpfer des Werkes “Die Göttliche Tragödie”, der damit nicht nur ein epochales Werk schuf, sondern im 13. Jahrhundert (angeb­lich) auch das domi­nie­rende Latein über­wunden haben soll und das soge­nannte Italienisch zur Literatursprache einge­führt haben soll.
Es gibt fast keinen Ort, in dem der Name des Dichters nicht irgendwo verwendet wird – Straßen, Parks, Häuser, Brücken…fast mit unserem Goethe vergleichbar.
In Dantes Geburtsstadt Florenz hatte ich im Jahre 2014 auch sein (angeb­li­ches) Geburtshaus aufge­sucht und u.a. seine Totenmaske bewun­dert.
Im heimat­li­chen Florenz gibt es ja fast keinen Stein und keine Toilette, die nicht entweder nach Michelangelo oder Dante benannt ist.
Denkmäler und Büsten ohne Ende, Skulpturen, Plastiken säumen die Gassen, Wege und Plätze.
Auch in Verona kann man auf dem Piazza dei Signori ein Dante-Denkmal bewun­dern, wo Dante auf einem hohen Sockel mit einer Kutte bekleidet und seiner markanten Kopfbedeckung grübelnd und nach­sin­nend steht.
Fast uner­reichbar für den normalen Besucher der Etsch‐​Stadt.
Als ich nun doch ergriffen im Oktober 2017 und voll Ehrfurcht vor dem großen Genie von dem genannten Platze wech­selte auf den nahe liegenden Piazza delle Erbe, dachte ich…“na, wann läuft er dir wieder über den Weg, der große Dichter (?)” – dieses dauerte dann auch nicht sehr lange (sh. Foto), denn zum Verkauf von italie­ni­schen Pizzas (ob nun auf Lateinisch oder auf Italienisch) ist werbe­wirksam Dante mit seinem sturen Blick auch gut geeignet…man muss halt gute Ideen haben.
Man sollte eigent­lich im werbe­über­flu­teten Deutschland eine Pizza mit dem Namen Goethes auf den Markt bringen, eine Idee, auf die noch keiner gekommen ist…

* sh. Foto‐​Story Vorwort

* sh. Fotos Verona

(Foto – Story)

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Vom Dachboden zum Paradies

“Ein Idyll der Kinderzeit”

Wer kennt aus unserer Generation der 60er‐​Jahre sie nicht – die Mietshäuser der Arbeiterklasse, die grund­sätz­lich einen Dachboden hatten.
Hier wurde die Wäsche zum Trocknen aufge­hängt, die Kartoffeln und die Kohle waren meis­tens im Keller im Dunkeln unter­ge­bracht.
Nur als Kind hatte man meist ein Verbot den Dachboden zu betreten, warum auch immer. Den Schlüssel hatten die Eltern meist gut versteckt.

Und diese Dachböden waren ja oftmals vom Platz her nicht gerade klein – es reizte uns als Kinder immer dort zu spielen, unter dem Dach, wo sich im Sommer die Hitze staute – es herrschte ein leicht muffiger Geruch, der durch das Waschpulver ange­rei­chert wurde.
Fast so gut, wie ein Heuboden auf einem Bauernhof.

Wenn man nun die obere Etage, wo andere glaubten, hier sei Schluss, erreicht hatte, führte noch eine klei­nere Treppe leicht spiral­förmig weiter in die Höhe, was erfor­schungs­wil­lige Kinder ja noch mehr reizt – wo mag das wohl hinführen ?
Wenn man diese spiral­för­mige Treppe auch noch erklommen hatte, stand man meist vor einer verschlos­senen Tür, die nicht gerade einla­dend aussah und die die letzte Hürde zum “Paradies” bedeu­tete.
Wenn nun eine Nachbarin die Wäsche aufge­hangen hatte, konnte es vorkommen, dass sie vergessen hatte, die Tür abzu­schließen – das war die Chance endlich dahin zu gelangen, wo man immer hin wollte, aber nicht durfte…auf den unheim­lich zauber­vollen Dachboden…

Nach dieser einstim­menden Vorbereitung nun zum Eigentlichen.
Mein Hotel in der Altstadt von Sevilla (Santa Cruz) in der Weihnachtszeit des Jahres 2014 zeigte in der Vor‐​Recherche im Internet eine Art Dach‐​Terrasse als ihr Eigen.

Das weiß getünchte Paradies

Nun glaubte ich, dass diese im Winter geschlossen sei, es war auch im Foyer des Hotels kein Schild mit einem Hinweis zu finden, dass auf die Existenz einer Dach‐​Terrasse hinwies.
Noch nicht einmal an den Wänden des in Weinrot gehal­tenen Hotels konnte man einen Hinweis in Form eines Schildes finden.
Als ich durch das Treppenhaus die oberste Etage erreicht hatte, kamen bei mir die oben geschil­derten Erinnerungen an meine Kindheit hoch.
Schon ein biss­chen dreist ging ich die letzten Stufen in die Höhe und stand wie in die Kindheit zurück­ver­setzt vor so einer Tür, die ja fast immer abge­schlossen war.
Nun hielt ich den Atem an und ergriff die Türklinke … und die Tür ging auf …
Als ich durch die Tür nach draußen ging, stand ich wie gebannt in einem “Paradies”, aber diesmal nicht auf dem Dachboden eines Mietshauses der 50er und 60er Jahre in der Heimat, sondern auf einer mit Palmen und Kakteen gezierten Dach‐​Terrasse mit weiß getünchten Wänden, an denen Blumentöpfe hingen, die lange Schatten warfen.

Mit Palmen geschmückter Paradiesgarten

Erst einmal wurde ich stumm, wie immer wenn etwas kommt, wo man nicht mit gerechnet hat und was einem die Sprache verschlägt.
Auf den gefliesten Mauern standen Töpfe mit fanta­sie­vollen Kakteen‐​Sammlungen, kleine Bilder an den Wänden, Kerzen für die Abendstunden auf einer Art Theke, Korbstühle luden zum Hinsetzen ein … ich fiel vor Überwältigung rück­wärts in so einen Stuhl und sah nun die abso­lute Krönung des Ganzen – der Blick zum schon leicht erleuch­teten La Giralda, dem Glockenturm der Catedral de Sevilla, der schon an ein Minarett einer Moschee erin­nert.

Fast wie in einem orien­ta­li­schen Traum

Wie in einem Traum saß ich über eine halbe Stunde ohne mich von der Stelle rühren zu können.
Nun hatte die Dämmerung bereits begonnen und die “Blaue Stunde” neigte sich ihrem Ende und das alles bei 18° Grad Ende Dezember.

Kakteen‐​Zauber

Kein Mensch war außer mir hier oben, viel­leicht war vielen nicht bewusst, welches Juwel das wein­rote Hotel auf seinem Dache beher­bergte.
Gegen 22:00 Uhr erhob ich mich dann doch, denn es war schon empfind­lich abge­kühlt in diesen Wintermonaten, wo man die Kühle erst des Nachts spürte.

Stacheliger Blick

Ich hatte etwas Schwierigkeiten die kleine Tür wieder zu finden und hatte schon Bedenken, dass sie mitt­ler­weile abge­schlossen worden wär, was aller­dings nicht der Fall war.
Am nächsten Morgen wachte ich in meinem Zimmer im Bett auf und ich wusste nicht, ob ich es geträumt hatte oder ob es Realität war.
Somit machte ich mich vor dem Frühstück erst einmal wieder die Treppe hoch … war es Realität oder Traum ?

Träume in Grün

Die Dachterrasse war in ihrem Zauber noch da, diesmal im strah­lenden Sonnenschein über den Dächern von Sevilla
Ich dachte, dass es besser wäre, erst einmal zu früh­stü­cken, bevor ich mich wieder vom Zauber des “Dach‐​Paradieses” in den Bann reißen lasse. In den Nachmittagsstunden konnte ich dem aller­dings nicht wider­stehen.

Man sieht, wie nah Realität und Traum beiein­ander liegen…
Vielleicht haben die anderen Gäste des Hotels nicht die Zeit der 60er‐​Jahre in Deutschland mit 8 bis 10 Parteien‐​Mietshäuser und ihre Dachböden miter­lebt, sonst wären ja oben auf der Dachterrasse mehr Menschen gewesen außer mir.

Was lernen wir daraus :

Die Eindrücke der Jugend
bestimmen den Geist des Lebens”


*  sh. auch meinen Beitrag “Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte

* sh. auch meine Fotos Sevilla


(Sonstiges)

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Foto – Story (Teil 12)

Die Geschichte hinter dem Bild

Fulda – Parkplatz Weimarer Straße

Meine Stationstour Mai/​Juni 2003 war die erste Tour in dieser Form, auf die noch 5 weitere folgen sollten.
Nur “Nichts ist so schön wie beim ersten Mal!“
Dadurch ist mir von dieser Tour, obwohl es 16 Jahre her ist, auch viel in meinem (emotio­nalen) Gedächtnis geblieben.
Zum Beispiel der “schönste Parkplatz in Deutschland”.
Hört sich nicht schlecht an, war es auch nicht.
Denn auf dem Rückweg von Bayern über Bamberg Richtung Kassel machte ich Station in Fulda.
Auf einem Parkplatz an der Weimarer Straße fand ich ein rich­tiges Idyll direkt an der Fulda mit einem Blick nach Kloster Frauenberg.
So etwas bleibt hängen, genau wie ich dort hängen blieb.
In meinem moos­grünen Omega, der zu dem Zeitpunkt schon stark auf die 200.000 km ging, habe ich dann 2 Nächte im Auto auf diesem Parkplatz verbracht und natür­lich Fulda genossen.
Somit ist dieser Parkplatz in meinem Gedächtnis veran­kert.
Es ist übri­gens das einzige Foto, was ich von dem Wagen habe, denn ich bin nicht der Typ, der seine Autos foto­gra­fiert, die ja eher (teure) Gebrauchsgegenstände sind, trotzdem hat er mich auf einigen meiner Touren (auch als Bett) begleitet – Ehre wem Ehre gebührt…


Die Geschichte hinter dem Bild

Elbtal – Loschwitz

Die äußere Neustadt von Dresden mit ihrem Szenenviertel beher­bergte mich bei meiner Stations‐​Tour 2005.
Hier bietet es sich gera­dezu an, einmal eine Strecke auf sich zu nehmen, die nicht nur mit dem Schiff ihren Reiz hat, sondern auch zu Fuß.
Und dies ist die Strecke Richtung Osten nach Loschwitz durch das Elbtal.
Vorbei an Weinhängen und kleinen Schlössern nähert man sich dem Wunder einer Brücke, dem Blauen Wunder (Loschwitzer Brücke).
Und unter diesem “Brücken‐​Wunder” gibt es noch etwas Wunderbares, nämlich eine eisge­kühlte Waldmeister‐​Brause, die ich in unseren Gefilden selten zu Gesicht bzw. auf die Zunge bekommen habe.
Jetzt näherte ich mich im September 2005 auf der oberen Seite der Elbe dem kleinen Ort Loschwitz.
Die ersten Fachwerkhäuser zeigen inter­es­sante “Kunstwerke” auf ihren Fassaden.
Bei einem blieb ich inter­es­siert stehen (sh. Foto), denn es wurde von einem schlauen Spruch geziert :
“Wer sein Geld verlieren will und weiß nicht wie, der baue alte Häuser aus, oder spiele Lotterie“
Das machte mich doch stutzig, denn ich hatte gerade die Probezeit meiner Tätigkeit bei dem größten Anbieter von Systemlotto über­standen, und dann dieser Spruch (?)
Da fragte ich mich doch, ob dieses wirk­lich der rich­tige Arbeitsplatz sei…


Die Geschichte hinter dem Bild

Teatro Comunale di Ferrara

Bei meinem dritten Bologna-Aufenthalt im Jahre 2016 machte ich einen Abstecher in das nörd­lich gele­gene Ferrara.
Ferrara klam­mert einen nicht unbe­dingt, neben der Altstadt, der Kathedrale und dem mittel­al­ter­li­chen Castello Estense ist ein Besuch schon nach 2–3 Stunden erle­digt.
Das dort ansäs­sige Teatro Comunale di Ferrara hat einen guten Ruf, auch wenn große Opernaufführungen eher selten sind.
Wie überall in Italien, so hat man auch hier keine Chance das Theater einmal zu besich­tigen, die Häuser sind den Italienern “heilig” und sind nur zu Veranstaltungen für Besucher dieser geöffnet.
Im oval gebauten Innenhof (Rotonda Foschini), der ausnahms­weise für das normale Fußvolk zu betreten ist, hat man Fenster so gestaltet, dass sie gar keine Fenster mehr sind, sondern eine Art Rahmen für Fotos von Veranstaltungen. Eine sehr gute Idee, besser als normale Plakate.
Eines dieser “Fenster” zeigt ein Foto aus einer Veranstaltung aus dem Jahre 2006 (10 Jahre her), laut Untertitel etwas Choreografisches, was das Thema des Phänomens der Maria Callas, der großen Opern‐​Diva als Inhalt gehabt haben muss.
Eine Reihe von Damen sitzen mit dem Rücken (sh. Foto) zum Betrachter und mit Phantasie erkennt man darin die Callas von hinten.
Als beste Darstellerin der Norma in Bellinis Norma”, was ich im Jahre 2018 rezi­piert habe, ist die Callas für mich schon inter­es­sant, aber leider war ich 10 Jahre zu spät in Ferrara…aber es war ja anschei­nend nur eine choreo­gra­fi­sche Hommage an die Callas und nicht Bellinis Norma”…aber nun mal 10 Jahre zu spät.

* sh. Foto‐​Story Vorwort


* sh. Fotos Germany
* sh. Fotos Dresden
* sh. Fotos Ferrara


(Foto – Story)


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Foto – Story (Teil 11)

Die Geschichte hinter dem Bild

Teatro Filarmonico di Verona

Als Ergänzung der wagner­schen Kompositions‐​Strukturen bin ich unum­gehbar zu Bellinis “Lyrische Tragödien” gekommen.
Die Paraderolle der Callas (Norma) in Bellinis Norma” (2018) und die Paraderolle der Operndiva Wilhelmine Schröder‐​Devrient (Romeo) in Bellinis “I Capuleti e i Montecchi” (2019).
Man muss natür­lich von der Schiene des wagner­schen Rezitativs zu Bellinis Belcanto‐​Gesang hinüber­springen.
Auch eine Kongruenz von Wort‐​Ton‐​Ebene ist nicht einfach, da ja die Bellinischen Werke in italie­ni­schen Sprache sind.
Aber davon abge­sehen, ist es ja auch eine geis­tige Herausforderung sich an die Werke eines eher als Komponisten geschätzten Schöpfers wie Bellini zu machen, beson­ders als Ergänzung zum wagner­schen Gesamtkunstwerk.
Als ich nun im Oktober des Jahres 2017 in Verona vom Piazza Bra Richtung Portoni della Brà schritt, hing an der Außenfassade der Accademia Filarmonica di Verona das oben zu sehende Plakat, worauf man entnehmen kann, dass beide (!) Werke im Februar bzw. mehr­fach im April dort zu sehen gewesen waren.
“Mist…!”, dachte ich – “jetzt bin ich schon einmal hier, aber halt 8 Monate zu spät…“
Jetzt ist es auch noch so, dass das zweite Werk (“I Capuleti e i Montecchi”) auch in Verona spielt (!) – welche Zufälle (?), nur ist leider alles schon vorbei, wie oftmals im Leben…


Die Geschichte hinter dem Bild

Bambuszimmer

Nachdem das Alternativhotel in der Dresdener Neustadt bei meiner Tour 2005 in die Geschichte meines “Reise‐​Lebens” einge­gangen war, suchte ich es im Jahre 2008 bei einer klei­neren Tour gen Osten wieder für ein paar Tage auf.
Diesmal war ich vorbe­reitet auf dieses “Kunstwerk”, wo jedes Zimmer anders ist und von einhei­mi­schen Künstlern indi­vi­duell und phan­ta­sie­voll gestaltet ist und wo jedes Zimmer einen anderen Namen hat.
Diesmal schlüpfte ich durch die Zimmer um Fotos zu machen, und zwar, als die Putzfrauen tätig waren.
Mein Zimmer für ein paar Tage war diesmal das “Bambuszimmer”.
Wirklich schwer in Worte zu fassen, aber wie der Name schon sagt, irgend­etwas aus Bambus.
Alles in diesem Zimmer war aus Bambusrohren gestaltet und gebaut, das aus diesen Rohren gebaute Bett konnte man im Dunkeln von unten beleuchten, von der Decke herunter hingen Bambusstange mit Glühbirnen darin, als eine Art Lampe – meine dama­lige noch analoge Kamera hatte Schwierigkeiten diese Raum‐​Effekte fest­zu­halten.
Man konnte das (von unten) beleuch­tete Bambusbett auch stufenlos heller und dunkler beleuchten und man lag im Bett wie auf einem strah­lenden Boot im Urwald (mit Phantasie).
An der Wand hingen Teile von Bambusrohren (sh. Foto), hinter denen auch eine Lampe instal­liert war und ergaben an den unebenen Wänden gute Effekte – farb­lich ging der Farbton der Wände auch ganz herum an die Decke, sodass man kaum noch oben oder unten unter­scheiden konnte (ohne einen Joint!).
Nach meinem ersten Aufenthalt “hinter den Kulissen” dieses “Hotels” habe ich daheim meine Diele rund­herum in einem Taubenblauton gestrichen…und dieser ziert meine Diele heute noch nach fast 15 Jahren…


* sh. Foto‐​Story Vorwort

* sh. Fotos Verona
* sh. Fotos Dresden


(Foto – Story)

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Foto – Story (Teil 10)

  Die Geschichte hinter dem Bild

Kunst oder Leichen

Das Wort “Reconquista” kommt ja eigent­lich von einzelnen geschicht­li­chen Ereignissen – “Rückeroberung” heißt es wört­lich über­setzt, damit ist in zweiter Linie (nach der lat. Übersetzung) eine Kriegs‐​Strategie gemeint.
In dritter Linie kann man es auch anders deuten, nämlich als einen Prozeß, bei dem die Natur etwas vom Menschen Geschaffenes zurück­er­obert, also wieder in das “Bett” der Natur zurück­bringt.
In vierter Linie kann man es (eher selten) als ein Kunstwerk (eines Schöpfers) betrachten (z.B. eines Bildhauers), was von der Natur zurück­er­obert wird.
Und genau so einem bild­haue­ri­schen Werk, was bereits schon stark “zurück­ge­führt” worden war, begeg­nete ich vor langen Jahren in den Wäldern rund um meine Heimatstadt, Witten a.d. Ruhr, bei klei­neren Wanderungen.
Wenn man das Foto betrachtet, bekommt man schon Angst und denkt an halb­ver­weste und vergra­bene Leichen, wenn man aller­dings sich umsah, waren noch mehr Skulpturenteile zu entde­cken – eine stehende halb­of­fene Hose mit herun­ter­hän­gende Hosenträgern und das Jackett eines Anzuges und alles halb vom Moos über­wu­chert, also zurück­er­obert oder teil­weise zurück­er­obert.
Spätestens, wenn man die anderen Teile entdeckt, weiß man, dass es sich hier nicht um ein Werk der Natur handelt (bzw. nur halb handelt), sondern um das Werk eines Künstlers…
Trotzdem hat die Natur das letzte Wort, weil sie alles Schritt für Schritt wieder für sich einnimmt.
Ich zog dann aller­dings schnell von dannen in den herbst­li­chen Wald, sonst hätte die Natur auch mich hinterher noch zurück­er­obert…


Die Geschichte hinter dem Bild

Neustädter Markthallen Dresden

Mein erster Dresden-Aufenthalt war in eine 12tägige Stations‐​Tour mit meinem moos‐​grünen Omega einge­bettet – diese Tour im September 2005 gilt bis heute als eine der besten, die ich gemacht habe – neben aller Begeisterung hatte ich zu dem Zeitpunkt die Probezeit bei einem meiner besten Jobs über­standen, was dem ganzen noch mehr “Drive” gab.
Ich sehe mir immer wieder gerne Markthallen an (Riga, Budapest, Bologna, Avignon...) – und somit lockten mich auch die Neustädter Markthallen in der äußeren Neustadt von Dresden, wo ich mein Quartier für 5 Tage aufge­schlagen hatte.
Die Strecke ging jeden Tag zu Fuß von der Äußeren Neustadt zum Albertplatz, dann über die Hauptstraße hinunter zum Goldenen Reiter Richtung Elbe.
Somit kam ich eher zufällig in diese Markthallen, die mich sofort begeis­tert haben.
In der unteren Etage spielte an diesem Tag ein Pianist – es ist schon Wahnsinn, aber ich weiß noch den Namen, nämlich Karl‐​Heinz Keller, und das nach 14 Jahren.
Die drei­ge­schos­sigen Markthallen sind licht­durch­flutet, der Klang von Kellers Klavier (im Keller) war in der ganzen Markthalle auf allen Ebenen zu hören.
Da kann ich mich wieder nur selbst zitieren :
“Auch in der DDR hatte manches seinen Flair”


*sh. Foto‐​Story Vorwort

*sh. Fotos Natur
*sh. Fotos Dresden


(Foto – Story)

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Foto – Story (Teil 9)

Die Geschichte hinter dem Bild

Essaouira Marokko

Bei meinem Besuch in Marrakesch und Essaouira (Weihnachten 2016) hatte ich den Wunsch einmal einen Blick in eine Werkstadt zu werfen, wo nach der marok­ka­ni­sche Intarsien-Kunst Gegenstände in Handarbeit produ­ziert werden.
Hierbei handelt es sich um eine hölzerne Einlegearbeit, bei der auf einer glatten Holz‐​Oberfläche verschie­dene Hölzer einge­legt werden (intar­siare = einlegen), aber so, dass wieder eine glatte Fläche entsteht.
Hauptsächlich wird hierbei Zedernholz verwendet, für spezi­el­lere Kreationen auch Thujaholz und die Wurzeln des Zitrusbaumes – es werden nach genauen Mustern Kunstwerke geschaffen, die jeden Betrachter zum Nachdenken anregen, wieviel Arbeit in den Tischplatten, Möbeln, Schachbrettern, Buchstützen, Zigarrenkisten, Tischplatten steckt.
Es sind in perfekter Harmonie verzierte Objekt, von normalen Gebrauchsgegenständen bis hin zu luxu­riösen Möbeln.
Die meist dunkel­braunen Produkte werden dann noch mehr­fach poliert.
In der Werkstatt im Kern der alten portu­gie­si­schen Festungsstadt Essaouira herrschte im Gegensatz zu den Gassen eher Ruhe und man konnte sich alles ansehen.
Das Foto zeigt einen Handwerker konzen­triert bei seiner Arbeit.
Als Erinnerung habe ich mir eine Buchstütze mitge­nommen, was bei der großen Anzahl meiner Bücher eigent­lich immer gut ist…


Die Geschichte hinter dem Bild

Sfera Grande di Pomodoro – Pesaro (Adria)

Als ich im Frühjahr 2014 unter­halb von Rimini begin­nend die Adria herunter bin, war Pesaro der erste Stopp, die Heimat des Komponisten Rossini.
Im Kopf hatte ich als ersten Anhaltspunkt einen Brunnen in Küstennähe in diesem oftmals durch bunker­ar­tige Hochhäuser gestörten Adriaort.
Zu Rossinis Zeiten sah es hier sicher anders aus.
Dieser Brunnen zeigt auf den ersten Blick eine kreis­runde Platte, in deren Mitte eine Art Kugel ruht.
Klingt einleuch­tend und einfach, hat man schon oft gesehen…
Doch hatte ich aus Fotos im Vorfeld schon entnommen, dass diese “Kugel” ein ziem­lich “zerris­senes” Ich hat.

Hierzu sei die Literatur zitiert :
Brunnen Pesaro (Arnaldo Pomodoro) – Sfera Grande di Pomodoro
“In Pomodoros Werk spie­gelt sich sowohl seine Arbeit als Goldschmied, als auch sein Interesse am tech­ni­schen Zeitalter wider.
Neben Silber, Eisen, Holz, Beton und Gold arbeitet er vor allem mit Bronze. In den 1960er Jahren entwi­ckelte er seine abstrakte Formensprache, die insbe­son­dere Kugeln, Scheiben, aber auch Säulen, Kegel und Quader umfasst. Die Hülle der geome­tri­schen Körper bricht Pomodoro dabei auf, für den Betrachter wird ein Innenleben sichtbar.“

Als ich nun nach der ersten Etappe an dem Brunnen saß, kam er mir genauso häss­lich vor, wie ich vorher auch den Eindruck hatte, vor allem die aufge­bro­chene “Kugel”.
Es fing schon langsam an zu regnen Anfang Mai in Pesaro auf meinem Weg zu einem strand­nahen Hotel.
Komisch, dachte ich, diesmal hatte ich mich nicht getäuscht, er ist wirk­lich sehr abstoßen, dieser Brunnen, aber das ist eben künst­le­ri­sche Freiheit…

* sh. Foto‐​Story Vorwort

* sh. Fotos Marrakesch
* sh. Fotos Pesaro


(Foto – Story)

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Foto – Story (Teil 8)

                                     Die Geschichte hinter dem Bild

Latvijas Nacionālā opera – Riga (Lettland)

Mein Besuch in Riga im Jahre 2008 kam durch einen Besuch von Wagners “Siegfried” beim dortigen Opernfest (Rigas Operas Festivals) zustande.
Die Aufführung war eher eine mittel­präch­tige Interpretation, also nichts für so einen Puristen und Alt‐​Wagnerianer wie mich, was vorher nicht voraus­zu­sehen war.
Aber wirk­lich enttäuscht war ich nicht, denn durch diese Aufführung bin ich ja nach Riga gekommen, was mit seinem Flair, seiner Kultur und seinen Jugendstil‐​Fassaden sofort in die Liste meiner fünf Lieblings‐​Städte aufstieg.
Wagner-Aufführungen beim dortigen Opernfest würde ich nicht mehr aufsu­chen, doch Riga als Stadt würde ich jeder Zeit wieder bereisen.
Die Stadt, die eigent­lich nebenbei einfließen sollte,  gewann an Reiz die Überhand und der eigent­liche Grund des Besuches trat in den Hintergrund – somit bin ich aber nach Riga gekommen, mit dem Tallinn nicht mit kommt…
Der Schaukasten der Oper zeigt nicht nur den Spielplan des Monats, sondern auch leicht die Konturen meiner Wenigkeit mit weißem T‐​Shirt und Kamera in der Hand.

                              Die Geschichte hinter dem Bild

Aix‐​en‐​Provence – Provence

Der Siegeszug der E‐​Cigarette als ernst­zu­neh­mende Alternative zur herkömm­li­chen Zigarette ist nicht mehr aufzu­halten, dies merkt man immer mehr.
Im Jahre 2014/​15 arbei­tete ich bei einer Firma, die u.a. E‐​Cigaretten und E‐​Shisha vertrieb und die ich tele­fo­nisch an den Mann bringen musste.
In unseren Gefilden waren öffent­liche Geschäfte für E‐​Cigaretten  zu dem Zeitpunkt noch rar.
Doch in Süd‐​Frankreich sah das zum dama­ligen Zeitpunkt schon anders aus.
In den Gassen des südfran­zö­si­schen Aix‐​en‐​Provence trifft man immer wieder auf kleine Geschäfte, die des Nachts mit Holz‐​Schlagläden verschlossen werden, somit hier auch ein Geschäft für Elektrische Zigaretten.
Heute schießen sie auch in deut­schen Städten wie Pilze aus dem Boden, aller­dings meis­tens ohne Holzschlagläden – es fehlt hier halt der Flair der Provence

                                 Die Geschichte hinter dem Bild

Palais de la Bahia – Marrakesch

In jungen Jahren begeis­terte ich mich für Marc Chagall, vor allem für seine kobalt­blaue Farbwahl.
Mein Vater fuhr mit uns nach Metz, wo man in der Kathedrale die Kirchenfenster von Chagall bewun­dern kann.
Das von draußen herein­fal­lende Licht gab ein tolles Farbenspiel, was mir im Gedächtnis geblieben ist.
Lange Zeit später stehe ich im Palais de la Bahia in der Medina von Marrakesch (was ich damals in den 80er‐​Jahren bestimmt nicht gedacht hätte) und was fällt mir ins Auge, nein keine Fenster von Chagall, sondern etwas ähnli­ches.
Hier benutze der Schaffer die 3 Grundfarben (Cyan, Magenta, Yellow) und erzeugte eine Farbmischung, vor allem bei herein­fal­lendem Licht.
Außerdem erkennt man mit Fantasie auch die draußen stehenden Palmen.
Das Chagall‐​Blau ist doch irgendwie hängen­ge­blieben…


* sh. Foto‐​Story Vorwort

* sh. Fotos Riga
* sh. Fotos Marrakesch  
*sh. Fotos Aix‐​en‐​Provence


(Story – Foto)

 

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Foto – Story (Teil 7)

                              Die Geschichte hinter dem Bild

Fontana del Nettuno (P.za del Nettuno) – Bologna

Mein erster Bologna-Aufenthalt im Jahre 2011 war von einer starken Grippe geprägt, die mir an den Tagen dort schwer zu schaffen machte, genauso die Temperaturen, die in dem Sommer weit über 40° Grad lagen.
Ziemlich sauer dachte ich dann in den nächt­li­chen Stunden, “…wenn du schon so kaputt bist, dann mach’s wenigs­tens ein paar gute Nachtbilder!”
Gesagt – getan, die Nachtbilder mit meiner alten Minolta in Bologna 2011 zählen zu den besten, die ich gemacht habe, wesent­lich besser und natür­li­cher als digital.
Der Neptunbrunnen (Fontana del Nettuno) ist das Wahrzeichen von Bologna – auch als Schatten gut zu erkennen an  den Mauern des Palazzo Comunales auf dem nächt­li­chen Piazza Maggiore, dem Herz von Bologna (bei nächt­li­chen Temperaturen um die 30° Grad).
Im Jahre 2016 bei meinem dritten Besuch in der “Roten Stadt” war der Neptun‐​Brunnen komplett abge­deckt wegen Renovierungsarbeiten, somit hätte ich auch ohne Grippe und bei nicht so heißen Temperaturen keine (Nacht-)Fotos machen können.

                                 Die Geschichte hinter dem Bild

Parma – Emilia Romagna

Bei Temperaturen bis 45° C im Jahre 2011 mit hängenden Kopf und schweiß­ge­badet in Parma.
Am Bahnhof blieben alle in der Wartehalle stehen, weil über dem Bahnsteig kein Dach war, was die Sonne hätte abhalten können.
Der durch Parma flie­ßenden “Fluss” (Torrente Parma) war verschwunden und zeigte nur noch ein ausge­trock­netes Flussbett.
Nachdem mir ein Riegel “Bounty” aus einem Supermarkt draußen in der Hand wegge­schmolzen war, dachte ich, kaum noch Luft krie­gend, “…jetzt wenigs­tens noch das foto­gra­fieren, wofür Parma berühmt ist!”
Der berühmte Parmaschinken ruhte in einem Schaufenster gesta­pelt im Schatten…

                             Die Geschichte hinter dem Bild

Dresden – Äußere Neustadt

Meine 14tägige Stations‐​Tour im September 2005 hatte u.a. Dresden für 1 Woche als Stationspunkt.
Das alter­na­tive Hotel in der Äußeren Neustadt im Norden Dresdens war ein abso­luter Glücksgriff.
Jedes Zimmer hat einen Namen und war/​ist anders, von Künstlern gestaltet – unter­ge­bracht in einer alten Produktionshalle der Pfunds Molkerei.
Die Badezimmer sind wie mit der marok­ka­ni­sche Mosaikkunst (Zellige) gestaltet, vor allem Türkis‐​grün‐​Töne und Kobaltblau, oftmals ist die Dusche wie ein Eingang in eine Grotte gestaltet oder dem nach­emp­funden.
Die ganze Tour habe ich danach nach diesem “Kunstwerk” von Hotel benannt und sie zählt bis heute zu den 5 besten Touren, die ich gemacht habe.
Dies lag nicht nur an dem Hotel, aber trotzdem hatte dieses Hotel das Seinige zum Erfolg dieser Tour beigetragen.

* sh. Foto – Story Vorwort


* sh. Fotos Bologna Nacht

* sh. Fotos Parma
* sh. Fotos Dresden

(Foto – Story)

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