Aufstieg in der Sierra Nevada (Dez. 2014)

                “Höhen- und Weitenrekord 2014”

Das Weihnachtsfest hat für mich so gut wie keine Bedeutung und da ich als Junggeselle keine Ambitionen habe an den Tagen zuhause zu bleiben, plante ich für  die Weihnachtszeit 2014  ein Projekt in einer südli­chen Gegend, wo die Temperaturen besser sind, als im heimi­schen Deutschland.
Meine Wahl fiel auf SEVILLA, wo es in der Weihnachtszeit 19° Grad tags­über sind.

Traumhaftes Hotel in der Altstadt Santa Cruz mit Blick zum Giralda, dem Glockenturm der Kathedrale, dem ehema­ligen Minarett der Hauptmoschee von Sevilla.
SEVILLA ist nicht nur die Stadt des Flamencos, der Keramik und der Orangen, sondern auch der Opern, da hier 3 große Opern spielen (Carmen, Fidelio, Der Barbier von Sevilla).

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Sevilla – Schauplatz großer Opern

Diesmal wollte ich zwei persön­liche Rekorde auf einmal brechen – den Höhen und Weitenrekord.
Für diese Aktion hatte ich mir das südlichste Hochgebirge Europas ausge­sucht, nämlich die

                                     S I E R R A  N E V A D A

Die Vorbereitungen waren umfang­reich, da ich noch nicht hier in Süd-​Spanien war und die Gegend Neuland für mich war. 
Ich hatte alles auf 3 Etappen gelegt mit dem Start in GRANADA.
Der Hochgeschwindigkeitszug von Sevilla nach Granada fährt 2,5 Stunden mit bis zu 240 Stundenkilometer, dadurch war ich in den frühen Nachmittagsstunden schon in Granada.                                                         Wer kennt nicht Granada – ein Lied von Fritz Wunderlich aus den 60ger Jahren, mein Vater hat es oft gesungen …

GRANADA kommt mit SEVILLA nicht mit, dass hat den ganz einfa­chen psycho­lo­gi­schen Grund, dass in Granada viele Lücken mit modernen Bauten geschlossen sind, was oftmals äußerst störend wirkt.
Ein Quartier  fand ich dann im ältesten Stadtviertel von Granada, in        EL ALBAICIN.
Dieser Teil Granadas ist gut erhalten und zusam­men­hän­gend, also an der Bausubstanz nicht stark verän­dert worden und bleibt in Erinnerung durch die weiss getünchten Häuser. 

Beim abend­li­chen Bummel in den Gassen fand ich etwas, was ich in Deutschland auf offener Straße noch nicht gesehen hatte, nämlich       Cannabis-​Tee (genauer gesagt : Rooibos Tee Cannabis mit Lemonengras).
Da ich ein großer Teefreund bin, griff ich natür­lich zu.
Mal etwas anderes für abend­liche Stunden im Heimatland bei Kerzenschein…

Cannabis-​Tee für die Heimat

Die 1. Etappe begann einen Tag vor Heiligabend in den späten Morgenstunden des folgenden Tages.
Im Südteil der Stadt fließt der Fluss RIO GENIL, der sich Richtung Osten am Fuße der Sierra Nevada her fliest.

Der erste Stop war geplant in GÜEJAR SIERRA, ein kleiner Ort mit am Hang liegenden weissen Häusern am Fuße der Sierra Nevada.
Die Strecke ging fast flachweg durch einige klei­nere Vororte von Granada bis zu einem atem­be­rau­benden Stausee (Embalse de Canales), dessen türkis­grünes Wasser und daraus hervor­ste­hende Felsnadeln mich an die Amalfiküste erin­nerte.

Embalse de Canales

Langsam näherte ich mich bei leichtem Anstieg und mit am Rand der Straße liegenden “Kakteen-​Wälder” dem ersten Punkt und Stop Güejar Sierra nach ca. 17 Kilometer. 

Für den Aufstieg hatte ich 10 Stunden geplant, denn es wurde gegen 18.00 h dunkel.
Auch wenn die Tagestemperaturen zwischen 3–4° Grad lagen, wurde es in dieser Winterzeit in den Abendstunden empfind­lich kalt.
Vom Balkon meines Hotelzimmers konnte ich die verschneiten Gipfel der bis zu 3.400 Meter anstei­genden Sierra Nevada (Mulhacen 3.481 m) bewun­dern.
Wenn man ganz oben ist, soll man bis rüber nach Marokko blicken können.
Ich hatte aller­dings die Strecke bis an die Schneegrenze geplant, die um die 2.000 Meter liegt.
In den späten Abendstunden schaute ich mir den kleinen Ort mit einer Schule, einer Post und einem Geschäft kurz an und vor allen Dingen, wo ich am nächsten Morgen hoch musste, ein guter Trick, um am Beginn der Strecke  nicht schon suchen zu müssen.

Kakteen-​Wälder

Der Aufstieg begann in den frühen Morgenstunden – es ging aller­dings erst bergab in ein kleines Tal mit Bach und von dort begannen die Haarnadelkurven mit bis zu 22 % Steigung.
Ich blieb sicher­heits­halber auf der GR-​3200.
Der Ort mit den weissen Häusern blieb tief unter mir liegen.

Aufstieg von Güejar Sierra

Generell ist es ja so, um so höher man kommt, um so weniger gibt es an Natur.
Die kleinen Gehöfte wurden, um so höher ich  kam, immer mehr Geisterhäuser, wo einst Menschen lebten, die irgend­wann einmal diese Gegend verlassen haben – es wirkte alles immer verlas­sener.
In den Hochsommermonaten sind hier die Temperaturen sehr hoch, deshalb ist ein Aufstieg zur Weihnachtszeit ratsam, auch wenn es früher dunkel wird, und dann muss man unten sein, sonst .… (?).
Dieser Gedanke machte mir beim Aufstieg vorerst keine Sorgen, denn es war ja noch vormit­tags und die Temperaturen waren zwischen 3–4° C,   eigent­lich ideal für diese Route.
Der Ausblick zu den verschneiten Gipfeln des Mulhacen  zeigten mir die Höhe, die heute nicht zu packen war.
Irgendwann nach 3,5 Stunden kamen die letzten (leers­ten­denden) hofähn­li­chen Gebäude und erste Schilder in Bezug auf Lawinengefahr.

Ich wich dann auf die A-​4025  aus, die mit ihren Kurven ab einer gewissen Höhe fast nur noch durch Gestein führt.
In 5 Stunden mußte ich es packen, denn herunter braucht man ja bei einer festen Straße etwas weniger als herauf.

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Um so höher – um so weniger

Dass Bergsteigen eine Sucht ist, kann man verstehen, mein Aufstieg stand natür­lich in keinem Verhältnis zu anderen Sachen in den Bergen.
An einzelnen Stellen kämpft die Natur sich durch, dass ist halt der Wille zum Leben, nicht nur in der Natur (Schopenhauer).
Die Besteigung des Hausberges von AIX in der Provence ein halbes Jahr später, kommt mir im Nachhinein anstren­gender vor, das liegt aller­dings nur an der Wegbeschaffenheit, die neben dem Wetter das Wichtigste ist (und natür­lich der gesund­heit­li­chen Verfassung).

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Blick über die Sierra Nevada

An einer weiteren Astgabel ging es auf die A-​395, wo nach einer halben Stunde der erste Schnee kam. 

Fast geschafft.…dann endlich kam die Markierung der 2.075 Meter und der Wintersportort  SIERRA NEVADA  zeigte sich mit skifah­renden Touristen auf den Pisten.
Ein wenig Erfolgserlebnis hatte ich nach diesen über 5 Stunden Aufstieg dann doch…                                                                                                       …was schreibt Goethe: “Die Tat ist alles, der Ruhm nichts”. 

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Schneegrenze

Ich war noch nie ein Freund des Wintersports, deshalb blieb ich auch nur eine kurze Zeit und machte mich dann im Kampf gegen die Dunkelheit wieder auf den Rückweg.
Wenn es länger hell gewesen wäre, hätte ich den Rest zum Gipfel auch noch geschafft, doch dann wäre es zu heiss gewesen für diesen Aufstieg.

Der Abstieg verlief als solches relativ schnell und nicht so kräf­te­rau­bend, wie der Aufstieg, doch langsam
kam die Dämmerung und die Temperaturen gingen dem Nullpunkt zu.
Es kamen auch kaum noch Autos, weder hoch noch runter.
Als ich im rettenden Tal war, ging es schon auf 18:00 Uhr und die Dämmerung setzte ein, nun war ich natür­lich noch lange nicht wieder am Ausgangsort Güejar Sierra, denn ich musste ja auf der anderen Seite wieder hoch.
Nach über 9 Stunden dann doch noch kurz nach Sonnenuntergang im rettenden Hotel, wo man kein Wort Englisch sprach und die Gestikulation die einzige Verständigungsmöglichkeit war – noch unter der Dusche stehend dachte ich, wie sich so ein Hotel in dieser Einöde halten kann (?).

Der Rückweg am nächsten Morgen, nach einem gemäch­lich einge­nom­menen Frühstück, verlief parallel dem Rio Genil bis Granada, wie der Hinweg.
Als ich dann doch leicht geschafft am Bahnhof von Granada stand, schaute ich auf meinen Schrittzähler –  68,81 km reine Strecke.
Zu dem Zeitpunkt (2014) der Höhen- und Weitenrekord für eine               3 Etappen-​Tour, der im kommenden Jahr gebro­chen werden sollte, aber daran dachte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Was lernen wir daraus :

       “Die Tat ist alles, der Ruhm nichts”
(Goethe)
                                                

 * weitere Fotos zur Sierra Nevada in meiner Bildergalerie Spanien


(HerrRothWandert)


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