Castell’ Arquato (Aug. 2011)

Weh uns, wir sind geschlagen
und flüchtig vor dem Feind !
Schon tobt er vor den Mauern
und droht mit Untergang!”

 (Richard Wagner, Die Feen)

              “Wer bedroht hier eigent­lich wen?”

Seit es Menschen gibt, gibt es Kriege, sodass man sich manchmal fragt, warum sich Menschen nicht vertragen können (?).
Anstatt Hand in Hand zu arbeiten, kämpft einer gegen den anderen.
Vom Wunsch, dass die Menschen in Frieden zusammen leben, ist man noch sehr weit entfernt.
So ist das heute und so war das schon immer und wird es auch immer sein, aus… basta…

Demgemäß sind stra­te­gisch güns­tige Punkte oftmals hart umkämpft und wandern von Hand zu Hand, und zwar immer in die Hand des Siegers, der sich  dann wiederum vor den Angreifenden vertei­digen muss.

Einer dieser stra­te­gisch wich­tigen Punkte im mittel­al­ter­li­chen Ober-​Italien ist…

…das  Castell’ Arquato in der Emilia Romagna.

An einer der Landstraßen (SP4), die von der Po-​Ebene zum Apennin führen, liegt dieses mittel­al­ter­liche Kleinod zwischen Parma und Piacenza, ca. 30 km süd-​östlich von Piacenza.

Leicht erhöht über dem Fluss Arda ist es schon von weit her erkennbar.
Das eins­tige mittel­al­ter­liche Kastell ist noch voll erhalten – Castell’ Arquato ist aber auch eine kleine Gemeinde mit 4.800 Einwohnern in der Provinz Piacenza.

…von weit her sichtbar

Die private Vereinigung der “Schönsten Orte Italiens(“I borghi più belli d’Italia”) hat Castell’ Arquato in seine Liste aufge­nommen, die im Jahre 2016 285 Orte aus Italien beher­bergte.
Diese hat sich seit 2001 zur Aufgabe gestellt, leicht abge­le­gene, histo­risch und bautech­nisch wert­volle Ortschaften zu fördern, die außer­halb der großen Touristen-​Zentren liegen.
Damit soll dem Verfall und der Entvölkerung und der damit verbun­denen Verwahrlosung entgegen gear­beitet werden.
Es sollen somit Orte geför­dert werden, die weniger bekannt sind und nicht zu Touristen-​Hochburgen zählen, wo also nicht der Rubel konti­nu­ier­lich rollt und keine Menschenmassen sich Tag für Tag durch die Gassen drängen.
Eine gute Idee, vor allem in einem Land, wo es unzäh­lige klei­nere Ortschaften gibt, die kaum ein Reisender kennt und die oftmals abseits der Touristen-​Pfade liegen.
Andererseits sollen die Orte durch die Förderung auch bekannter werden, und somit Reisende anziehen, denn Italien ist nun mal ein Land, wo der Tourismus viel Geld einbringt.

Mittelalterliche Embleme

Das Castell’ Arquato wird bereits im 8. Jahrhundert erwähnt und die Namensnennung erscheint erst­mals im Jahre 1220 – die reichen auswär­tigen Familien der Visconti, der Farnese und der Sforza hinter­ließen hier auch ihre Spuren und bauten den Ort zu einer Festungsstadt und als mili­tä­ri­schen Stützpunkt aus.
So wurden Teile der Apennin und die Ebene um Piacenza kontrol­liert.

Die  antiken Wohnbauten sind aus Ton und Sandstein gefer­tigt und die Architektur ist von zahl­rei­chen Gewölben und Rampen gekenn­zeichnet – genau wie in Bologna und Ferrara fallen einem hier wieder die zinnen­ge­krönten Türme und Mauern auf, eine Architektur, die dem Besucher einen Geschmack des mittel­al­ter­li­chen Ober-​Italiens vermit­teln, den man unwill­kür­lich mit nach Hause nimmt.

Torrione Farnesiano – Castell’ Arquato

Die Unterstadt erscheint wie eine Ansiedlung derer, die im eigent­li­chen Kastell keinen Platz mehr fanden – wie man sich aller­dings denken kann, hat die Zeit auch vor Castell’ Arquato nicht Stopp gemacht und neuere Ansiedlungen sind nur unter­halb der eigent­li­chen Festung möglich.

Der Aufstieg von einem im Tal liegenden Busbahnhof, der zeigt, dass auch hier die Zivilisation Einzug gehalten hat, zieht sich durch enge Gassen von mittel­al­ter­lich erschei­nenden Häusern bis zu dem Eingangstor eines wuch­tigen Festungsturmes (Torrione Farnesiano) aus dem 16. Jahrhundert.
Dieser ist ein Teil des Castello Stradivari.

Castello Stradivari


Von hier aus steigt man den Burgberg hinauf…

Aufstieg über unver­wüst­liche Wege

Interessant sind die aufstei­genden Wege, die durch Tuffstein, Ziegel und Kiesel unver­wüstbar erscheinen – was in frühen Jahren erbaut wurde, erscheint dem Besucher auch in Bologna noch stand­hafter, obwohl es zu dama­liger Bauzeit nicht die tech­ni­schen Möglichkeiten der heutigen Zeit gab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Der Piazza del Municipio ist umgeben von einem Ensemble mittel­al­ter­liche Bauwerke, die von eins­tiger Macht zeugen.

Palazzo del Podesta

Der Palazzo del Podesta 1239 (ich hoffe, es stimmt) begonnen, erhielt aller­dings erst später eine Freitreppe und eine Loggia hinzu.

Collegiata di S. Maria

Die Kirche Collegiata di S. Maria ist das älteste Gebäude am P.za del Municipio aus dem Jahre 1120 (ich hoffe wiederum, dass es stimmt), und weist drei halb­kreis­för­mige “Apsiden” auf … das Wort kannte ich bis vor kurzem auch nicht, aber man lernt ja immer dazu.
“Apsiden” sind halb­kreis­för­mige, poly­go­nale Raumteile, die an einem Haupthaus anschließen und meist von einer Halbkugel über­wölbt sind.
Da bekommt man einen rich­tigen Grundkurs für mittel­al­ter­liche Architektur und Bauweise, was man hier vor Ort bestaunen kann.

Rocca Viscontea – Castell’ Arquato

Über allem thront die zinnen­be­wehrte (es gibt schon Worte!) Rocca Viscontea, die auf den Namen der Macht-​Familie Visconti zurück­zu­führen ist.
Diese Burg mit einem kleinen Burggarten, war einst mit einem doppelten Mauerring mit tiefen Gräben umgeben.
Der ärgste Feind des Menschen ist der Mensch selbst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Wehrturm zeigt wieder die typi­sche Zinnenkrönung und ist besteigbar.
Castell’Arquato ist abschlie­ßend zu sagen eine Mischung aus Kultur, Geschichte, Naturlandschaft, mittel­al­ter­liche Architektur und Museum, aber auch Gastronomie und Hotellerie.

Der Ausblick lässt auch den Burgenfreund HerrnRoth verweilen, auch wenn ein anstren­gender Rückweg nach Fiorenzuola d’Arda noch bevor­stand.

Der Bus fährt nämlich nur zweimal am Tag und war schon lange fort, als ich wieder in der Unterstadt ange­langt war.
Also ist vom Mittelalter hier doch etwas übrig geblieben.

Was lernen wir daraus :

   “Der ärgste Feind des Menschen ist der Mensch selbst”

Club zum Erhalt der schönsten Orte Italiens
(http://borghipiubelliditalia.it/​)


Zur Ergänzung und Erweiterung steht mein Beitrag über meine Wanderung zum Castell’ Arquato im Jahre 2011 (Emilia Romagna 2011).
Überschneidungen zu diesem Beitrag ließen sich nicht vermeiden.

 

(HerrRothBesucht)

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