“Ein wenig Leidenschaft beflügelt den Geist,
zu viel löscht ihn aus”
(Zitat Stendhal)
“Rot und Schwarz” (“Le Rouge et le Noir”)
(Anaconda Verlag GmbH Köln 2013, 606 Seiten, ISBN 978–3‑7306–0046‑7)
Einleitung :
Wer schon einige Berichte auf meinem Blog gelesen hat, der wird merken, dass gewisse Namen von Schöpfern, Schriftstellern und Künstlern immer wieder auftauchen.
Und einer dieser Namen ist der französische Schriftsteller STENDHAL.
Stendhal alias Marie-Henri Beyle (1783–1842) war und ist ja nicht nur ein Schriftsteller (Literarischer Realismus) mit sehr viel Fantasie, sondern er hatte auch ein abwechslungsreiches Leben, wobei gewisse Worte eine große Rolle spielten :
Karriere, Liebe-Leidenschaft, Weltoffenheit, französischer Flair und seine Liebe zur italienischen Kultur.
Er war zudem Journalist, Kritiker und Essayist und ein Anhänger Napoleons und des weiteren ein begeisterter Italien-Reisender.
Er verfasste Biographien, Reiseberichten und kunsthistorische Werke und war ein Verehrer Rossinis.
Diesem widmete er eine Biographie (sh. unten), genau wie er ein Italienbuch verfasste, indem er allerdings auch über Reisen in bestimmte Teile Italiens berichtet, wo er gar nicht war…
Dazu gehört schon einige Fantasie.
Die beiden bedeutendsten Romane von Stendhal sind “Die Kartause von Parma” und “Rot und Schwarz”.
Der Umfang zwischen 600 und 1.000 Seiten zeigt schon, dass es sich nicht nur um einfache Liebes- oder Abenteuer-Romane handelt, sondern um große Werke der Literatur.
Im Folgenden sei kurz der Jahrhundert-Roman “Rot und Schwarz” besprochen, den ich in nur 2 Wochen in einem Strich gelesen habe.
Zunächst einmal eine Kurzpräsentation des Autors aus dem Klappentext des Buches entnommen.
Stendhal (alias Marie-Henri Beyle) kam 1783 in Grenoble zur Welt.
Kaum volljährig, verließ er seine Heimat und ging nach Paris.
Statt dort wie geplant zu studieren, trat er 1800 in die napoleonische Armee ein.
Er nahm am Italienfeldzug teil, wo er insbesondere in Mailand seinen Hang zur italienischen Kunst und Kultur entdeckte.
Stendhal machte Karriere ; er wurde hoher Beamter im besetzten Westphalen und nach dem Russlandfeldzug 1812 wurde ihm die Verwaltung der kaiserlichen Besitztümer übertragen.
Mit Napoleons Abdankung 1814 verlor Stendhal seine Stellung, worauf er für mehrere Jahre nach Mailand übersiedelte.
Zu jener Zeit legte er bereits Biografien, kunsthistorische Werke und Reiseberichte vor.
Als er in Italien der Verschwörung verdächtigt wurde, musste er nach Paris zurückkehren, wo er sich seinen Lebensunterhalt als Journalist verdiente.
“Armance” war sein erster Roman und wurde 1827 veröffentlicht.
Drei Jahre darauf, nahm er schließlich einen Posten als Konsul in einer kleinen Hafenstadt an.
Im selben Jahr erschien sein berühmtes Werk “Rot und Schwarz”.
Seine Zeitgenossen hatten noch nicht begriffen, wie gesellschaftskritisch und treffend Stendhal sein Jahrhundert in diesem Roman porträtiert.
Er zählt heute zur Weltliteratur.
Stendhal starb am 23. März 1842 in Paris.
(entnommen der Ausgabe des Anaconda Verlages 2013)
Rezension :
“Rot und Schwarz” ist eines der ganz großen Bücher des 19. Jahrhunderts.
Es ist zwar in die nach-revolutionäre Gesellschaft Frankreichs verankert, passt aber sehr gut in die heutige Zeit und hat uns viel zu sagen…
Gute Bücher sind halt die, die man immer wieder lesen kann und die zeitlos sind, also nicht nur in der Epoche, in dem sein Autor lebte, aktuell sind, sondern immer …
Stendhal veröffentlichte “Rot und Schwarz” 1830.
Der Roman basiert auf tatsächliche Ereignisse.
Sein Autor kämpft als solches ein Leben lang gegen die Engstirnigkeit der bürgerlichen Welt.
Man erkennt also in der Handlung und vor allen Dingen im Protagonisten Julien Sorel den Autor wieder und man sieht die Menschenkenntnis Stendhals, der über ein immenses psychologisches Wissen verfügte.
Julien Sorel, Zimmermannssohn und aus einfachen Verhältnissen stammend, hat ein ausgeprägtes Gedächtnis und beherrscht Latein.
Er ist klug, er bewundert Napoleon über alles und will ganz nach oben.
Er stammt mittellos aus einem kleinen französischen Dorf und will diesem Rahmen entfliehen.
Er liest Berge von Büchern über Napoleon und dessen Heldentaten und Tagträume.
Julien schafft allerdings sein Erhofftes nicht, weil er nicht zum Adel (Rot) zu zählen ist, er versucht den erhofften Aufstieg über den Klerus (Schwarz) und wird von einem älteren Pfarrer im Lateinischen fit gemacht.
Er setzt seine ganze Persönlichkeit skrupellos ein, über seine geistige und seelische Kraft beruflich, und auch sonst aufzusteigen.
Dazu bedient er sich der ihm zugetanen weiblichen Seelen.
So kann er anfänglich und auch später willige Opfer finden.
Bigotterie und Intrigen der damaligen Zeit macht er sich zunutze, um einen Aufstieg zu schaffen.
Die geheime Liebe zur Frau des Bürgermeisters Madame de Rênal bringt nicht nur das Glück, sondern findet auch ein rasches und gleichsam tragisches Ende.
Nach Aufdeckung der heimlichen Liebschaft, muss Julien fliehen. Er begibt sich ins Seminar für weitere Studien und konzentriert sich weiter auf seine “Karriere”.
Er kommt wiederum durch gute Beziehungen als Sekretär nach Paris.
Der Tochter des Marquis de la Mole soll er zuarbeiten – wieder ist er hin- und hergerissen in einer Beziehung zu Mathilde de la Mole, die ihn in emotionale Irrungen und Wirrungen wirft.
Durch eine Schwangerschaft fliegt die Beziehung auf, sodass Mathilde de la Mole ihren Vater verlässt.
Unglücklicherweise taucht Madame de Rênal wieder im Geschehen auf und wirft ein schlechtes Licht auf Julien, woraufhin er in blinder Wut an ihr einen Mordversuch verübt, der allerdings scheitert.
Madame de Rênal erholt sich von den Verletzungen und söhnt sich mit Julien im Gefängnis aus, wo er zu erkennen glaubt, dass sie die einzige ist, die seine Liebe erwidert hat und verachtet Mathilde, die starken Hass und Eifersucht gegen Madame de Rênal empfindet.
Julien will jedoch lieber sterben, als mit der Schmach dessen, was er getan hat, leben zu müssen.
Er lenkt vor Gericht alles so, dass er zum Tode verurteilt wird.

Stendhal beschreibt in diesem Roman wiederum ausführlich das Hin und Her der Verliebtheit und dieses zu einer Zeit, als es noch wesentlich gefährlicher war, sich dazu zu bekennen, als heute.
Unbeschreiblich einfühlsam und ganz genau beobachtend, geht Stendhals Schreibstil hier ab.
Der Autor versucht die Leistungen und Wege der menschlichen Seele zu ergründen, und vor allem dies auch noch in die richtigen Worte zu kleiden.
Stendhals Stil kommt aus dem Herzen und geht hinein in die seelischen Verfassungen von Mann und Frau. So wird dieser Roman auch heute noch zu einem Bildungsroman.
Menschen lassen sich immer wieder in eine vorgegebene Richtung drängen und werden so verunsichert, was zeigt, wie weit man auch heute noch vom Erziehungsziel des menschlichen Miteinander durch Profitgier entfernt ist, was in diesem Roman von Stendhal hart angegangen wird.
Es werden vom Autor Gegensätze aufgezeigt (Rot-Schwarz), aber keine vollkommenen Gegensätze, sonst würde der Roman ja “Schwarz-Weiß” heißen.
Das Werk spiegelt, vorbildhaft und hervorragenden geschrieben, die Epoche seiner Zeit wider und bleibt trotzdem anwendbar auch auf Danachkommendes.
Der Untertitel “Chronique de 1830″ (Eine Chronik des 19. Jahrh.) steht für sich.
“Rot und Schwarz” ist einer der großen Romane der Weltliteratur und lohnt sich auch zweimal gelesen zu werden.
Anhang Carnevale di Venezia 2016 :
…war es nun ein Wink des Schicksals, eher Zufall oder eine innere Eingebung, als ich beim diesjährigen Carnevale di Venezia Anfang Februar 2016 auf eine geschmackvoll und unkitschig gestaltete Maske traf, die ganz in den Farben Rot und Schwarz gehalten worden war.

Nachdem ich um eine Visitenkarte gebeten hatte und diese auch bekam, war ich doch sehr erstaunt, als ich den Namen der Maske las … STENDHAL.
Stendhal und dann in Rot und Schwarz (?).
Zufall oder tieferliegende Gründe ?
Daheim schrieb ich der Inhaberin der Maske eine kurze Mail, da auf der Visitenkarte die Mail-Adresse ab-gedruckt war, in der Hoffnung doch etwas über die Herkunft des Namens und etwaige Verbindungen zum französischen Schriftsteller Stendhal zu erfahren.
Ich war allerdings ein wenig enttäuscht, als nur ein paar Worte auf Französisch (?) kamen, die mir entfallen sind…
Über Facebook zeigte sich allerdings einige Zeit später, dass das “Innenleben” der Maske eine Dame aus einer französischen Gemeinde östlich von Lyon ist.
Und diese Gemeinde ist ca. 80 km oberhalb von Grenoble, und dort ist Stendhal ja 1783 zur Welt gekommen (!).
Ist ja nun schon ganz interessant, was man darüber alles rauskriegen kann, denn vor Ort (Venedig) sind ja von einem lebenden Menschen nur die zwei Augen bei den Masken zu erkennen.
Allerdings hat mich dies nicht weitergebracht, ob der Maskenname und der Roman Stendhals einen gewissen Zusammenhang haben.

Es gibt schon Zufälle, vor allem, weil ich den Roman “Rot und Schwarz” schon bestellt hatte, und kurz darauf auch mit Begeisterung las.
Wenn meine Vermutungen stimmen, so zeigt dies aber auch, wie publik der Schriftsteller so lange Zeit nach seinem Tode heute noch ist.
Literatur-Tipps Stendhal :
* “Die Kartause von Parma”
(Carl Hanser Verlag München, 2007, 998 Seiten, ISBN 978–3‑446–20935‑0)
* “Stendhal – Rossini”
(Althenäum Verlag Frankfurt, 1988, 420 Seiten, ISBN 3–610-08472–3)
* “Reise in Italien – Rom-Neapel-Florenz”
(Eugen Diederichs Verl. München 1996, 443 Seiten, ISBN 3–424-01321–8)