Venedig bei Nacht (Mai 2007)

In der Nacht ist es schön, an das Licht zu glauben”
(Edmond Rostand)


Bei der Lösung der Wohnraumprobleme ging es ja um drei exem­pla­ri­sche Beispiele, nämlich die Städte VENEDIG, NEAPEL und BOLOGNA.

In jeder dieser Städte gibt es für einen ersten Besuch ein Muss …man muss sie in der Nacht erlebt haben.
Dies bedeutet, die Atmosphäre der Stadt in der Nacht zu empfinden, wenn die Stadt nicht die ist, die sie am Tag ist – quasi das andere Gesicht der Stadt erkennen…

… und zwar in  VENEDIG

Venedig ist als solches ja keine normale Stadt, Venedig ist eine aus dem Wasser aufge­stie­gene Endlosmelodie …
…ich werde das Schweigen zum Klingen bringen.” – dies stammt natür­lich im über­tra­genen Sinn von Richard Wagner, für dessen Werk Venedig eine große Rolle spielt.
Denn viele haben sich schon Gedanken gemacht, warum Wagner gerade in Venedig gestorben ist und nicht in München oder Bayreuth (?)
Dies hat auch dahin­ge­hend einen symbo­li­schen Wert, weil ja der 2. Act des “Opus metha­phy­sicum” , von Tristan und Isolde hier 1858 in Venedig entstanden ist.
Das zog schon immer viele Selbstmörder nach Venedig, denn Liebe kann schnell in die Nähe des Todes rücken.

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Raum- und zeitlos ist der Nachten Herrschaft

Bei so viel Todes-​Sehnsucht stand mein erster Venedig-Aufenthalt im Zeichen einer anderen Frau, nämlich meiner Mutter. Denn diese war immer sehr spen­dabel :

“…hier Junge, hasse ma en Tausender, fliech ma schön nach Venedig.”

Da sieht man, wie sinn­voll doch eine gute Mutter ist.
Somit star­tete ich am Muttertag 2007 zu meinem ersten Venedig-Besuch.

Mit einem eigenen Boot (!) fuhr ich herüber von Marco Polo nach Dorsoduro, dem “harten Rücken” von Venedig – dem ruhigen Stadtteil im Süden der Lagunenstadt, ein Traumhotel nahe der Zattere
…wein­rote mehr­fach geschich­tete Samtgardinen, mit Seide bespannte Wände,  Muranoglas-​Leuchter, alles in weißem italie­ni­schen Marmor  …8 Tage und Nächte lang.

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Nachtblau

Es ist natür­lich kaum mit Worten zu beschreiben, wie ein erster Besuch in Venedig auf einen wirkt…

Vergesse alles, was du über Venedig gelesen hast, erlebe es…” und danach kann man alles noch einmal lesen.

Das erste Mal Venedig ist wie der erste Geschlechtsakt mit der großen Liebe, ein Traum, der nicht endet und wenn man aufwacht, weiß man nicht, ob man wach ist oder träumt…

Arm ist nicht der, dessen Träume nicht in Erfüllung gehen,
sondern der, der keine Träume hat.”

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Kaum zu glauben

Als ich des Nachts unter den Arkaden auf dem Markusplatz saß, konnte ich es nicht glauben, dass ich in Venedig war…

Andererseits war ich froh, dass ich hier vorher nicht mit einer längst verblüten Liebe war, denn dann könnte ich ja hier nicht mehr hinfahren…

Ich stemmte in den späten Abendstunden mein Stativ auf den Rücken und verließ in Trance das Hotel im harten Rücken Venedigs, um diesen Traum wenigs­tens für den Rest meines Lebens fest­zu­halten.

Bei den Grundregeln für Venedig gibt es eine, und die heißt, immer einen dicken Pullover mitnehmen, auch wenn es Sommer ist – jetzt weiß ich es, zu dem Zeitpunkt aber noch nicht, denn nachts kann es in Venedig ganz schön kalt werden, nur inter­es­sierte mich dies zu dem Zeitpunkt wenig.

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Verborgen bleibt das Absolute

Die “Stadt” verwan­delt nachts ihr Gesicht – schon am Tag wirkt jede Szene anders, wenn man aus einer anderen Richtung kommt oder zu einem anderen Zeitpunkt dort her geht, oder besser gesagt, schwebt.
Meine Euphorie ging über in eine Zustand außer­halb von Zeit und Raum…

       “Die wahre Welt fängt erst da an, wo man aufhört sie zu sehen”

Ein Zitat, was in Venedig Form annimmt.

Ich hatte in diesem Mai 2007 Glück, und zwar dahin­ge­hend, dass es des Nachts kaum Touristen auf den kleinen Plätzen und in den Gassen gab, was bei späteren Aufenthalten in Venedig anders aussah.

Melancholie, Hörende Stille, Ästhetischer Zauber, Stehende Zeit, Silentium mysticus, Zauberhaft verzau­bert, Magie” – die Zitate und Titel für meine Fotos bei der Auswertung daheim ließen alle Grenzen meiner Fantasie sprengen.

Nicht ohne Grund hat Venedig unzäh­lige Dichter und Komponisten zu ihren Werken inspi­riert.
Venedig ist der Ort, wo ich die meisten Fotos gemacht habe, quasi die Stadt der qual­menden Kameras.

Opus metha­phy­sicum

Die Zattere im Süden von Dorsoduro scheint nicht zu enden – ich ging sie immer wieder herauf und herunter, am Tag und in der Nacht…und dachte  ”… na Junge, wem hast du das zu verdanken…”

Mit 500 Fotos in der Tasche und einer dicken Grippe und mit wunden Füßen, verließ ich wieder mit dem eigenen Schnellboot nach 8 Tagen Dorsoduro in Richtung Flughafen.

Wenn man vom Boot zurück­schaut, wünscht man sich nichts sehn­li­cher, als eine Rückkehr.

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Der Zauber der Nacht

Wie gut, dass ich das erste Mal alleine hier war…”, dachte ich ins Flugzeug stei­gend.

Da sieht man, dass eine Mutter besser sein kann, als eine große Liebe…

Was lernen wir daraus :

   “Liebe hat ein Verfallsdatum, Freundschaft nicht”


*
weitere Fotos in meiner Bildergalerie Italien

 

(HerrRothInDerNacht)

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