Festungsort Kotor (Okt. 2018)

                                       “Gefahr von hinten…”

Es gibt Städte, die gar keine sind, …wie das (?), fragt man sich da.
Tja, jede Stadt ist halt anders und manche sind halt keine.

Und so eine “Stadt”, die keine ist, ist KOTOR.
Warum dieses so ist, auf das gehe ich weiter unten ein…

Kurze Erläuterung für die, denen der Name Kotor nichts sagt :
Kotor oder Cattaro ist eine mittel­al­ter­liche befes­tigte “Stadt” (168 v. Chr.) in einer Bucht an der Adria im heutigen Montenegro.

Die Bucht von Kotor ist von der Natur quasi eine Art “Doppel-​Bucht”, denn von der aus der Adria unter­halb von Dubrovnik fjordartig ins Land gehenden (ersten) Bucht, geht eine zweite Bucht durch einen ca. 200 Meter schmalen Einfluss.
Nach dem Eingang in die natur­ha­fen­ar­tige (zweite) Bucht, erkennt man an dessen süd-​östlichen Ende die Festung Kotor.

Von hohen Bergen umgeben

Die Bucht ist umgeben von bis zu fast 2.000 Meter hohen Steinmassiven, die Montenegro den Namen geben.
Für die, die sich nicht mit Latein in der Schule haben herum­quälen müssen, bedeutet es soviel wie “Dunkle Berge”.
Um die Fakten zu vervoll­stän­digen, liegt hinter bzw. über Kotor das Gebirgsmassiv Lovćen mit seinen stolzen 1.700 Meter Höhe und man kommt nicht herum, seinen Blick stetig in die Höhe zu richten.

Stetig schweift der Blick nach oben

Die auto­freie, komplett von Stadtmauern einge­rahmte Altstadt, die nur an drei Stellen Einlass gewährt, hat zum größten Teil aus dem 17. und 18. Jhdt. (manche sogar früher) stam­menden palaz­zo­ähn­liche Gebäude, mehrere roma­ni­sche Kirchen und einen Hauptplatz (Trg od Oružja) mit einem leicht schräg stehenden Glockenturm (Torre dell’Orologio).

Torre dell’orologio

Durch die versetzt gebauten Gebäude ergeben sich zwangs­läufig verwin­kelte Gassen, die in nächt­li­cher Stunde ihren Reiz noch stei­gern, wenn CoolJazz der 50er-​Jahre aus den Restaurants erklingt, der mich an längst vergan­gene Zeiten meiner früheren Jazz-​Begeisterung erin­nerte.

Nächtlicher Flair

Genauso bildet der erwähnte Hauptplatz in nächt­li­cher Stunde eine Art Treffpunkt, da hier das Herz des Ortes zu schlagen scheint, was ja an viele italie­ni­sche Plätze (Piazza Maggiore) erin­nert, auf denen ich oft die halbe Nacht mit Kamera und Stativ verbracht habe.

Wie ein italie­ni­scher Piazza

Zur Namenerläuterung sei zu sagen, dass Kotor kyril­lisch Котор ; italie­nisch Cattaro ; latei­nisch Acruvium bedeutet und zu der Gemeinde Kotor die Ortschaften Risan, Perast, Dobrota, Orahovac und Dub gehören.

Altstadt hinter Mauern

Fakten vorbei … weiter…

…und warum Kotor gar keine Stadt ist, liegt daran, dass es eine Festung ist.
Man kann das ganze leicht anglei­chen mit dem Begriff “Festungsort”.
Hier teilt sich alles in inner­halb der Festungsmauern und außer­halb der Festungsmauern.
Das moderne Leben, wie Autoverkehr, Busbahnhof, Hafen etc., liegt natür­lich außer­halb und das geschicht­liche Leben liegt inner­halb der auto­freien Altstadt (Stari grad).

Bevor man auf Näheres eingeht, muss man noch eine Besonderheit (oder auch Sonderbarkeit) erwähnen, die Kotor im Vergleich zu vielen “Städten” aus der Reihe fallen lässt.
Nämlich die Stadtmauern.
Klar, jede Festung hat eine Festungsmauer, sonst wäre sie ja keine Festung.
Stimmt, nur die Festungsmauern von Kotor haben eine Besonderheit.

Nördliche Stadtmauern

Die ganze Bucht von Kotor ist ja, wie schon erwähnt, von bis zu 2.000 Meter hohen Bergen umgeben, die sehr dunkel wirken und nur teil­weise bewaldet sind.
Und demgemäß hebt sich hinter der Festung Kotor ein Berg (Lovćen) weit in die Höhe.
In frühen Zeiten hatte man wahr­schein­lich Angst, dass der Feind nicht nur von vorne, vom Wasser, kommen konnte, sondern auch von hinten, über den Berg.

Feinde naht…

Und somit gehen diese Festungsmauern weit in die Höhe ober­halb der Stadt.
In nächt­li­cher Stunde sind diese Ruinenmauern, die trotzdem noch einiges abhalten und aushalten können, beleuchtet.

Wie ein Feuerrad

Dieses ergibt mit etwas Fantasie aus einer gewissen Entfernung gesehen den Eindruck eines mit Flammen behaf­teten Feuerrades, wie man es in frühen Jahren oftmals auf der Kirmes gesehen hat (was heute aus
“Sicherheitsgründen” zum größten Teil einge­stellt worden ist).
Diese Stadtmauern laufen nicht nur hoch in den Berg, sondern geben nachts noch einen guten Effekt einer gewissen Uneinnehmbarkeit, was man aller­dings ja schon öfter in der Menschheitsgeschichte gedacht hat.
In der heutigen Zeit sind die alten Festungsmauern erklimmbar.
Klingt einfa­cher, als es ist.
Es kommt natür­lich auch auf die Jahreszeit an, aber auch bei meinem Oktober-​Besuch in Kotor nahm der Aufstieg einige Zeit in Anspruch.

Eingang zum Aufgang

Ein schon mittel­al­ter­li­cher Eingang ist an der östli­chen Seite der Altstadt zu durch­schreiten, um den rich­tigen Start für diesen schweiß­trei­benden Aufstieg zu bekommen.
Ab einem gewissen Punkt muss das Portemonnaie heraus, denn umsonst ist das ganze nicht.
Außerdem sollte man bedenken, dass die Getränke immer teurer werden, um so höher man kommt.

Kotorska Tvrdava – Kotor Fortress

Nur keinen Stress antun, einfach Stufe für Stufe im Zick-​Zack-​Kurs immer höher, und um so höher man kommt, um so toller wird der Ausblick, dies ist das Geld schon wert.

Church of Our Lady of Remedy

Eine Kirche (Church of Our Lady of Remedy) läßt erkennen, dass man schon ein ganzes Stück geschafft hat, denn hier sind die Preise für die Getränke schon leicht gestiegen, aber man hat dafür schon einen Ausblick, der eine gewisse Höhe erahnen lässt. 

Schon etwas an Höhe gewonnen

Dies ist aller­dings noch lange nicht alles…

Richtungsweisend

Auf einem Schild wird nicht nur auf die Richtung der Erklimmung hinge­wiesen, sondern auch auf das Risiko, das man eingeht.
Wenn man nun nach ca. 1 1/​2 Stunden Aufstieg am Ziel (Fort Kotor) ange­langt ist, ergibt sich schon ein immenser Ausblick…

…auf die sich zwischen den Bergen windende Bucht…

…weit schweift der Blick

.…auf die Altstadt nebst Hafen…

Port of Kotor

…und auf noch höher liegende Berge.

Hoch hinaus

Da vergisst man, genau wie viele andere Besucher, den mühe­vollen Aufstieg und die hohen Getränkepreise.

Fort Kotor – Kotorska Tvrdava

Zur Altstadt (Stari Grad) lassen sich noch einige inter­es­sante Beobachtungen erwähnen.

Stari Grad Kotor

Die Altstadt hat ihren mittel­al­ter­li­chen Charakter behalten.
Der ganze Ort ist ja nicht nur auto­frei, sondern es fehlen auch moderne Gebäude, die den alten Flair ja nur stören würden.
Die histo­ri­schen Häuser und Palazzo sind mit origi­nalen Bauteilen rekon­stru­iert, wo es von Nöten war.
Die Bauten, vor allem die alten palaz­zo­ähn­li­chen Gebäude, wurden aus feinem sehr hellen Natur-​Stein gebaut, der auch an den neuzeit­li­chen Villen am Ufer der Bucht verwendet wird.
Nun kann man leicht erkennen, dass das Alter der Bauten in der Altstadt schon höher ist, weil der Stein sehr nach­ge­dun­kelt ist.

Schon leicht nach­ge­dun­kelt

Auch am bedeu­tendsten Palazzo am Hauptplatz, der Palata Pima aus dem 14. Jahrhundert, erkennt man, dass er nicht für die Ewigkeit gebaut worden ist.
Das gibt aber allem einen gewissen Flair und macht die Scenerie schon fast  male­risch.

Palata Pima am Hauptplatz

Der angren­zende Glockenturm (Torre dell’orologio) von 1602 gegen­über dem Haupttor (Glavna Vrata ili Vrata od Mora) wirkt leicht schief stehend und lässt durch den harten Klang der Glocke das Alter des Turmes (und der Festung) erkennen bzw. erhören.

Der harte Klang der Glocke

Vereinzelt lassen auch Elemente an den Fassaden die mittel­al­ter­liche Geschichte erkennen, bzw. erahnen.

Alte Symbolik

Was mich zur Kamera greifen ließ, war die Tatsache, dass die alten
Palazzos fanta­sie­voll mit ihren Namen beschil­dert sind.
Nur, dass diese “Schilder” aus einem Stück wein­rotem stabilen Stoff bestehen und mit goldener Schrift den Name des Palazzo und dessen Entstehungsjahr tragen.
Eine gute Idee und Alternative zu normaler Beschriftung mit
Blechtafeln.

Palazzo einer byzan­ti­ni­schen Familie 14.–17. Jhrt.

Wenn man nun einen Aufenthalt verständ­li­cher­weise ausdehnen will, so muss man den Festungsort Kotor verlassen.
Der Hafen von Kotor bietet verschie­denen Möglichkeiten einer Boots-​Tour auch zu den beiden Inseln Sveti Dorde und Gospa od Skrpjela.

Port of Kotor

Was die Suche nach Promenaden betrifft, so gibt es zwei Möglichkeiten.
Die klei­nere Promenade direkt am Hafen bietet aller­dings nicht viel Ruhe und Muße zum Bummeln, da dort der Autoverkehr und Parkplätze alles beherr­schen, außerdem ist es ja ein Hafen und keine direkte Promenade.

Promenada Kotor

Dieses sieht aber ober­halb der Festung Richtung Dobrota anders aus.
Von der Hauptstraße abwei­chend, zieht sich diese besser als Promenade zu bezeich­nende Strecke über ca. 2 km direkt am Wasser hin und lädt auch in abend­li­cher Stunde zum Bummeln ein.
Promenadenverwöhnte gehen also nicht ganz leer aus.

Promenade, die eher ein Hafen ist

Auch die großen Luxusliner legen natür­lich gerne hier an, was der Verfasser dieses Beitrages aller­dings nicht unbe­dingt als positiv betrachtet.
Da kann man aller­dings geteilter Meinung sein, dem einen gefällt das und dem anderen jenes.

Geteilter Meinung

Also nichts für ungut und verzeiht mir, ihr Freunde des mondänen Lebens auf Meer. Ihr sollt auch euren Spaß haben.

Das Katzenparadies

Eine abschlie­ßende weitere Besonderheit Kotors ist der Hang zu Katzen.
Hieran haben vor allem die weib­li­chen Besucher ihren Spaß (viel­leicht auch die von den Luxuslinern).
Die Katzen von Kotor erin­nern an die Tauben von Venedig.
Der ganze Festungsort und auch die aufstei­genden Wege der alten Festungsmauern ist über­flutet mit Katzen verschie­denen Alters.
Sie werden hier gehegt und gepflegt und sogar medi­zi­nisch betreut.
Katzen haben hier Vorrechte, und diese scheinen sie auch zu genießen.

So lässt es sich leben

Ein extra für diesen Kult zu besich­ti­gendes “Katzen-​Museum” hat schon Seltenheitswert.
Denn wo außer in Kotor findet man ein Museum, was ausschließ­lich Katzen gewidmet ist (?).
Eine Sammlung mit unzäh­ligen Postkarte, Plakaten, Büchern, Briefmarken lässt das Herz eines jeden Katzenfreundes höher schlagen.

Katzen-​Museum

Einiges erscheint in Kotor reno­vie­rungs­be­dürftig, doch dazu steht man, indem man es dementspre­chend ausschil­dert.
Allerdings erkennt man die Renovierungsbedürftigkeit auch ohne den daran befes­tigten Hinweis.

Renovierungsbedürftig

Wie auch in vielen anderen Städten, erkennt man früheren Reichtum an der Befestigung der Stadt und der Abschirmung vor heran­na­henden Feinde und Plünderer. Das heißt, dass Kotor schon in früher Vorzeit eine größere Bedeutung und einen größeren Wohlstand gehabt haben muss, wo heute fast alles durch Restaurants und Souvenirläden beherrscht wird.

Dies lässt mich abschlie­ßend mal wieder meine Zitatenkiste öffnen…

Was lernen wir daraus :

                      “Wer besitzt, der muss gerüstet sein”


(HerrRothBesucht)

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* weitere Fotos Kotor u. Palazzo-​Beschilderungen
   http://herrrothwandertwieder.de/bildergalerie-montenegrokotor/                                                                                                                                                                                                     
* Katzenmuseum (Trg Gospa od Anđela, Stari Grad 371)

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