Tallinn bei Nacht (Juni 2017)

Bei allen meinen Nacht-​Exkursen der von mir besuchten Städte, ist eines gleich, sie fanden alle in der dunklen Nacht statt – klar, sonst wären es ja keine Nacht-​Exkurse.

Beim dies­jäh­rigen TALLINN-​Besuch sah dies aller­dings anders aus, er fand zwar auch zu nächt­li­cher Stunde statt, nur mit dem Haken, dass es nicht dunkel wurde.

Klingt ein biss­chen abwegig, nur Tallinn hat erst einmal eine Zeitverschiebung um eine Stunde nach vorne, zwei­tens war es Hochsommer und drit­tens liegt ja Tallinn sehr hoch im Norden, nur 80 km unter­halb von Helsinki, wo es gene­rell im Sommer länger hell ist.

Die Teilung der Stadt in die Unter- und die Ober-​Stadt, die einst die Keimzelle Tallinn war, lässt jeden, der ein nächt­li­ches Panorama einfangen will, erst einmal in die Oberstadt eilen, dem soge­nannten Domberg, oder…

Toompea.

Aufstieg zur Oberstadt (ging schon auf 1:00 Uhr zu!)

Nun stand ich in “nächt­li­cher” Stunde mit meinem Stativ bewaffnet, auf einem der Aussichts-​Plateaus (Kohtuotsa Vaateplatvorm) der Oberstadt mit einem genialen Blick Richtung Norden, zum Hafen, zur Bucht in Richtung Finnischen Meerbusens.
Trotz der frischen Temperaturen dachte ich, besser am Busen der Natur, als am Arsch der Welt.
Man ist zwar hier nicht direkt in der Natur, aber trotzdem hat Tallinn immer noch relativ viel Grünfläche, auch inner­halb der Stadt.

Blick bis zur Sängerwiese

Der Blick reicht bis zur Sängerwiese (Tallinna Lauluväljak) im Nord-​Osten und zeigt auch mittel­al­ter­liche Pracht in Form der alten Stadtmauern und Türme.

…es werde Nacht

Im Winter, wenn die Dunkelheit früher da ist, muss von hier oben eine beleuch­tete Stadt mit illu­mi­nierten Fassaden zu bewun­dern sein, die das Herz eines jeden Fotofreundes höher schlagen lässt.
Doch trotz der nur einge­schränkten Beleuchtung, schlug mein Herz trotzdem weiter.

Der Tag als Feind der Nacht

Wenn im letti­schen Riga der Fluss Düna mit seinen Brücken für nächt­liche Fotografie anzieht, liegt es auf der Hand, dass in Tallinn, was keinen Fluss besitzt, die höher gele­gene Oberstadt (Toompea) vieles hergeben kann, am Tag und in der Nacht.
Und zwar nicht nur die Aussicht ist es, was reizt, sondern auch die Gassen, die sich um die Alexander-​Newski-​Kathedrale (Aleksander Nevski kate­draal) und die Domkirche (Toomkirik) schlingen.

Gassen der Oberstadt

Und hier gibt es ja nicht nur ein Aussichts-​Plateau, sondern gleich mehrere (Patkuli Vaateplatvorm, Kohtuotsa vaate­plat­vorm, Piiskopi vaate­plat­vorm).
Diese geben Besuchern Ausblicke in fast alle Himmelsrichtungen frei.
Neben den  mittel­al­ter­li­chen Stadtmauer-​Resten und Türmen, stechen von diesem Panorama aus einige Kirchtürme ins Auge.

Einst das höchste Gebäude der Welt

Nach Norden blickend, die weit sicht­bare Olai-​Kirche (Oleviste kirik) – diese hielt lange Jahre einen Rekord, sie war nämlich mit ihrem 159 Metern hohen Turm in den Jahren 1549–1625 das höchste Gebäude der Welt (!), man glaubt es kaum.

Nach Süden blickend, fällt der Blick bei zuneh­mender Dunkelheit auf die Nikolai-​Kirche (Niguliste kirik), die auch ein Museum beher­bergt (Niguliste kirik ja muuseum).
Diese ist dem Heiligen Nikolaus gewidmet, der Schutzpatron der Kaufleute und Seefahrer.

Niguliste kirik

Der Blick nach Osten (Kohtuotsa vaate­plat­vorm) ist kaum möglich, ohne das Tallinner Rathaus (Tallinna raekoda), bzw. dessen Turm mit dem Schutzpatron dem “Eisernen Thomas” (Vana Toomas) als Wetterfahne gekrönt, zu über­sehen…

Leicht links erspäht man den Turm der Heiliggeist-​Kirche (Pühavai kirik), den man schnell mit dem Turm des Rathauses verwech­seln kann.

…diese beiden schon fast mina­ret­ten­ar­tigen Türme bestimmen von diesem Blickpunkt immer das Panorama.

Die großen Kreuzschiffe zeigen sich im Hafen von Tallinn in ihrer ganzen Pracht, bei einem Blick nach Norden, der die roten Dächer Tallinns unter einem liegen lässt.

…hier kreuzen sich Kreuzschiffe

Was mich doch noch leicht entschä­digte, war der heran­na­hende Sonnenuntergang…
Schritt für Schritt ging langsam die Sonne mit dem Blick zum west­li­chen Stadtteil Kalamaja unter.

Sonnenuntergang in Tallinn
…mit Blick nach Westen
…nach Kalamaja
…weg !

 

Raekoja plats

Nicht weniger als 8 Straßen führen auf das Herz des mittel­al­ter­li­chen Tallinns, dem Rathaus-​Platz (Raekoja plats).

Raekoja plats

Der seit 1923 so benannte Rathaus-​Platz von Tallinn weist an den verschie­denen Seiten inter­es­sante Häuser-​Fassaden auf, Bürgerhäuser im Westen, die heute Restaurants und Geschäfte beher­bergen, Cafes und eine der ältesten noch betrie­benen Apotheken, die Rathaus-​Apotheke (Raeapteek), die fast eine 600jährige Geschichte hat.

Fassaden zu allen Seiten

Die Ostseite des Platzes zeigt eine bunte Mischung von Fassadenformen, die am Tag und in der Nacht ihren Reiz haben und an die Zeit der Hanse erin­nern.

Fassaden im Osten

In frühen Jahren waren dies die Häuser von Kaufleuten, Ratsherren, Bischöfe und derglei­chen.

Buntes Fassadengemisch

Dass sich hier einmal Studenten aufge­halten haben müssen, zeigt das soge­nannte Studentenhaus (Tudengimaja), wo noch die Warenluke im Giebel zu sehen ist.
Was dies aller­dings mit den Studenten zu tun hat, blieb mir im “Dunkeln”.

Tudengimaja- Studentenhaus

 

Tallinna Raekoja

 Beherrscht wird der ganze Platz natür­lich durch das goti­sche Rathaus (Tallina raekoja), was bereits 1322 urkund­lich erwähnt wird.

Das Rathaus beherrscht alles

Von der Fassade her erin­nert es schon an einen italie­ni­schen Palazzo mit einem sehr schlanken Turm.
Fantasievolle Dachrinnen, Wappen, Laubengänge und rotun­den­ar­tige Anbauten, lässt das Gebäude schon von außen reiz­voll erscheinen.
Man brauchte in dama­liger Zeit als wich­tiges Handelszentrum im Ostseeraum einen reprä­sen­ta­tiven Bau.

Palazzoartige Architektur

Der Blick aus den östlich liegenden Gassen lässt den 64 Meter hohen Turm des Rathauses sehr wuchtig erscheinen, mit viel Fantasie fast schon wie der Mast eines großen Handelsschiffes der dama­ligen Zeit.

Aus anderer Perspektive

Auch umlie­gende Gassen der Tallinner Altstadt geben ein gutes Motiv für nächt­liche Szenerien wieder, auch wenn das flächen­de­ckende Kopfsteinpflaster das Stativ wackeln lässt.

Kopfstein-​Gassen

Somit zeigt sich, dass Tallinn in der Nacht einen doppelten Reiz hat, nämlich oben und unten (klingt schon erotisch und nicht jugend­frei).
Die Oberstadt mit ihren Gassen und Aussichts-​Plateaus und die Unterstadt mit ihren Gassen und dem zentralen Rathaus-​Platz.

Aber erst muss es (richtig) dunkel werden, und dies war Ende Juni 2017 nicht der Fall.

Blick aus dem Hotelfenster

Ein nächt­lich später Blick aus dem Fenster meines Hotelzimmers unter dem Dach, gab dann doch noch etwas von dem wirk­lich nächt­li­chen Panorama Tallinns wieder…
…gute Nacht !

 * Fotos vom nächt­li­chen Tallinn in meiner Bilder-​Galerie Baltikum

 

HerrRothInDerNacht


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2 Gedanken zu „Tallinn bei Nacht (Juni 2017)“

    1. Naja, meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, vor allem, weil es nicht dunkel wurde im Juni und dadurch keine rich­tigen Nachtbilder möglich waren.
      Will dies Anfang Oktober in Verona nach­holen.
      Zeitnahe Antworten sind mir zur Zeit aus Zeitgründen leider nicht möglich, sorry für die zeit­ver­setzte Antwort.
      herr­ro­thwan­dert­wieder

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