Le Jardin Secret – Marrakesch (Dez. 2016)

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Das Leben entflieht, drum zeig dich nicht so wähle­risch gegen das Glück,
das sich bietet, genieße es schnell.”
(Stendhal, Die Kartause von Parma, 1839)


Das Chaos und die Hektik in der Medina von Marrakesch lässt gewisse Ruhestätten notwendig werden – und diese Ruhestätten sind in der marok­ka­ni­schen Handelsmetropole nicht unbe­dingt die unzäh­ligen Museen und Paläste, sondern geschickt ange­legte “Gärten”.

Der bekann­teste “Garten” dieser Art ist der Jardin Majorelle im Norden, außer­halb der Medina gelegen, der 1980 vom fran­zö­si­schen Modedesigner Yves Saint Laurent aufge­kauft wurde und dessen Asche nach seinem Tode hier verstreut wurde (!)

Der Reiz des Jardin Majorelle ist für jeden Fotografen die Fusion der in Kobalt-​Blau gehal­tenen Mauern und Beet-​Begrenzungen mit dem Licht-​Schatten der unzäh­ligen exoti­schen Pflanzen.

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Licht-​Schatten und Kobalt-​Blau

Im Jardin Majorelle ist der touris­ti­sche Andrang natür­lich sehr groß, weil er ja der bekann­teste Jardin von Marrakesch ist – das Wandeln in den Gängen, unter Palmen und um geschickt ange­legte Wasserbassins, lässt den eigent­li­chen Sinn des Gartens als Oase der Ruhe nur erahnen, da die Besucher in der Masse einen vom eigent­li­chen Sinn des Gartens ablenken.

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Oase der Ruhe (?)


Allerdings ist der Jardin Majorelle nicht der einzige Garten dieser Art in Marrakesch.
Bei meinem oftmals eher flucht­ar­tigen Bummeln in der Medina  zur Weihnachtszeit 2016, stieß ich auf ein nörd­lich des Jemaa el-​Fna gele­genes “Objekt”, was sich aus mehreren Gründen bei einem Aufenthalt in dieser Stadt lohnt aufzu­su­chen…

…dem Le Jardin Secret.

Wieder leicht auf der Flucht vor heran­na­henden Händler, denen man haupt­säch­lich in der Medina ausge­lie­fert ist, traten in der Rue Mouassine im nörd­li­chen Medina-​Bereich, zwei wie engli­sche Butler geklei­dete Herren mir entgegen und ich glaubte wieder, entwei­chen zu müssen.

Nach dem Entrichten des eher kleinen Obolus, empfing mich hinter den Mauern doch ein Ruhepol und eine Oase der ganz beson­deren Art.

Die Form und Struktur der marok­ka­ni­schen Riads (arabisch “Garten”) sind nicht nur in den “Hotels” zu finden, sondern auch hier – d.h., dass der Jardin von hohen (fens­ter­losen) Mauern umgeben ist – diese archi­tek­to­ni­sche Struktur ist früheren Zeiten entlehnt, als man auf die geniale Idee kam, die para­dies­ar­tigen Innenhöfe mit dicken Stampflehm-​Mauern rötli­chen Farbtons zu umbauen, um der im Sommer herr­schenden Hitze Einhalt zu bieten – und nicht nur im Sommer…
Bei meinem Besuch zur Weihnachtszeit herrschten hier ca. 27° C, wogegen im Innenhof des Riads die Heizapparate liefen.

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Die roten Mauern von Marrakesch

Der Jardin Secret ist eine Fusion aus Garten-​Kunst, Architektur und einem geschickt ange­legten Bewässerungs-​System arabi­scher Herkunft aus der Dynastie der Sultane vor mehr als 400 Jahren.
Die Mehrfach-​Funktionen des Bewässerungs-​Systems der soge­nannten “Hängenden Gärten der Semiramis”,  oder auch die “Hängenden Gärten von Babylon” genannt, eines der sieben Weltwunder der Antike, hat der Menschheit gezeigt, dass Gärten mehr sein können, als nur Anpflanzungen in Beeten.

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Exotischer Garten – Jardin Secret

Der Jardin Secret besteht so gesehen aus zwei Garten-​Komplexen.

Wenn man durch den pavi­lion­ar­tigen Eingangsbereich geht, der durch seine Architektur und Mosaikkunst, wie auch durch hand­ge­fer­tigten Stuck im geome­tri­schen Design, ins Auge fällt, zeigt sich als erster Eindruck hierin ein enormes hand­werk­li­ches Können.
Alles knüpft an die Tradition vornehmer arabisch-​andalusischer und marok­ka­ni­scher Paläste an.

154Der erste Komplex ist der leicht klei­nere Exotische Garten
Pflanzen aus 5 Kontinenten wachsen Seite an Seite, aus Ländern, die klima­tisch den Gegebenheiten von Marrakesch glei­chen.
Schon hier spürt der Besucher die Atmosphäre des Lichtes, der Luft, der Ruhe und des Friedens.
Der größere Komplex auch wie ein Quadrat ange­legt, ist aller­dings der Islamische Garten.
Dieser hat auch die Struktur eines mit hohen Mauern umge­benen Riads und hat vier quadra­tisch ange­legte fast gleich große Beete.


Diese zeigen die stilis­ti­sche Tradition des Mittleren Ostens, erdacht aus einer irdi­schen Paradies-​Reflexion aus dem Koran.
Wenn man nun einen Sinn für Romantik und vor allem für das Metaphysische hat, dann erkennt man hier schon tief­grei­fende Wurzeln aus Himmel und Natur.

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Wasser als Symbol für Leben

Wasser ist ein funda­men­tales Element für die Existenz mensch­li­chen und pflanz­li­chen Lebens.
Genauso ist Wasser ein Symbol und ein Zeichen natu­reller  Kraft und Energie, was mir beim später genos­senen frischen Minze-​Tee auch klar wurde.
Die Natur macht nichts umsonst, denn ohne die beiden Grundelemente Wasser und Licht wäre das Leben auf der Erde bereits erlo­schen.
Was einem Besucher des Jardins auffällt, ist das in beiden Gärten geschickt ange­legte Kanal-​System, was frisches Wasser aus dem Hohen Atlas bringt.

153Die kleinen künst­lich ange­legten Kanäle durch­ziehen beide Komplexe wie Adern und dienen haupt­säch­lich der Bewässerung der ange­legten Beete.
Als Herz des Islamischen Gartens kann man den spru­delnden Brunnen ansehen, der mit marok­ka­ni­scher Mosaikkunst (Zellig) gestaltet ist.
Das Wasser wird aus dem Hohen Atlas durch eine über tausend Jahre alte Technik unter­ir­di­scher Kanäle hierher geleitet.
Das hydrau­li­sche System der Wasserlenkung ist zum Überleben des Gartens nötig.

Die unter­ir­di­sche Drainage versorgt nicht nur die Moscheen und Bäder in Marrakesch, sondern auch die Gärten und Brunnen.

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Das Herz des Islamischen Gartens

Der Jardin Secret hat das Privileg eines eigenen Bewässerungs-​Systems, was ein Zeichen von Wohlstand aus früheren Jahren ist.
Dieses ließ bei mir die Erinnerung an das Kanalsystem in Bologna hoch kommen.

Somit eröffnet sich einem die lange Tradition der alter­tüm­li­chen Riads, die ein kluges Kanal-​System und Wasser-​Bassins mit verknüpften Rohren und Kanälen besaßen.
Diese Art einer Gartenanlage zeigt aller­dings auch die Macht früherer Herrscher, die Besitzer dieser Riads und Komplexe waren.
Im Eingangsbereich ist durch eine Computer-​Simulation das Bewässerungs-​System darge­stellt und gut für den Besucher nach­voll­ziehbar.

Wenn man nach dem Besuch des Jardin Secret, der durch die eher wenigen Besucher auch seinen Namen verdient, wieder in die Hektik des Handelns und geschäft­li­chen Treibens zurück­kehrt, ist es schon wie ein Auftauchen aus einem Paradiesgarten, was der Sinn dieses Gartens auch sein soll.

Was lernen wir daraus :

                       “Die Natur macht nichts umsonst”


* sh. auch meinen Beitrag über den Jardin Majorelle

* sh. auch meine Bildergalerie Marrakesch

* Le Jardin Secret Marrakesch (http://www.lejardinsecretmarrakech.com/en/)


(HerrRothBesucht)

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2 Gedanken zu „Le Jardin Secret – Marrakesch (Dez. 2016)“

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