Cours Mirabeau – Aix-​en-​Provence (Mai 2015)

                               “Die Prunkmeile von Aix”

Es gibt viele Städte, die durch “Prunkmeilen” geprägt sind, wo sich vor allen Dingen das nächt­liche Leben abspielt und wo es einfach Spaß macht, dort nur zu flanieren, egal ob am Tag oder in der Nacht.
Ein gutes Beispiel ist natür­lich die “” in Düsseldorf mit ihren Boutiquen, Banken, schwarzen Mercedes-​Karossen ohne Ende und in der Mitte der kleine Bach (Stadtgraben), mit Baumbestand und den “armen” Rentnern, die hier Tag für Tag auf und ab gehen.

Mondänes Leben in Düsseldorf

Ich kenne sie von Kindesbeinen an, weil mein Vater oft mit uns dort war – er hatte einen Hang zum Noblen und ästhe­tisch Schönen.
Ich weiß noch, dass es dort ein sehr tradi­ti­ons­rei­ches altes Kino gab – ich habe dort im Jahre 2003 oder 2004 meine Unterschrift hinter­lassen, dass es aufrecht erhalten bleiben soll.
Es ist dann doch leider verschwunden, denn was sich nicht selbst tragen kann, ist schnell weg, auch wenn es noch so tradi­ti­ons­reich ist.

Frankreich ist ja das Land der schönen Künste, der Gourmets und des feinen Lebens.

Nach den unzäh­ligen Italien-Aufenthalten dachte ich im Jahre 2014:

…jetzt musse ma langsam woan­ders hin!”

Mein Vater war immer ein Frankreich-Verehrer und er schwärmte immer für viele Gegenden in diesem Land, aber die Provence haben wir in frühen Jahren nie besucht.…
…dann wurde es aber langsam Zeit, auch wenn mein Vater nun schon 12 Jahre nicht mehr unter uns weilt.

Nach meinem Besuch in Avignon im Jahre 2014 hatte ich den Geschmack für diese Gegend bekommen, und jeder, der einmal dort war, der weiß, dass dort sich alles noch ein biss­chen zum Traumhaften stei­gert und der feine Geschmack noch höher geht.
Vor allem in den Nachtstunden sollte man Avignon nicht verpassen.

Als Vergleich ging ich im Jahre 2015 eine der bekann­testen Städte dieser Region an…

…nämlich Aix-​en-​Provence.

Ausführliche Angaben will ich mir sparen, denn diese kann man ja überall nach­lesen.
Nur muss man heraus­heben, dass
Aix nicht nur die histo­ri­sche Hauptstadt der Provence ist,  sondern auch ein hervor­ra­gendes Opernfest bietet, das Festival d’Aix-en-Provence.

Die Stadt der schönen Künste (aufs Korn genommen)

Außerdem wird Aix auch “Stadt der Brunnen” genannt und dies nicht zu unrecht, denn die Stadt besitzt nicht weniger als 30 Brunnen.
Dieses hat seinen Grund wiederum in frühen Jahren zwecks Wasserversorgung der Pferde, die diese verkehrs­güns­tige Stadt durch­querten, ganz zu schweigen von den heilenden Thermalquellen, die Aix schon früher zu einem berühmten Kurort machten.
Aix-​en-​Provence zählt bei den Franzosen als Stadt der höchsten Lebensqualität mit der Schwerpunkt auf Kunst und Kultur.

Der Charme der Provence

Bei all den schon rausch­haften Lobeshymnen kommt ja dann meis­tens die Ernüchterung vor Ort, wo sich einem schnell die Realität zeigt.
Der erste Eindruck zählt…, wie man so schön sagt.

Und ich entsinne mich noch des ersten Eindrucks von Avignon, der mich ein Jahr vorher über­fiel, als ich nach 17stündiger Busfahrt aus dem Busbahnhof kommend die ersten Eindrücke von Avignon in mich aufsaugte…

In Aix sah dies für meine schon etwas verwöhnte Seele aller­dings etwas nüch­terner aus…
Die Verbindung zum Flughafen Marseille (Marseille Provence) ist sehr gut – von dort aus nahm ich dann im Mai 2015 wiederum einen Bus, der aller­dings keine 17 Stunden fährt, sondern bis Aix ca. eine halbe Stunde braucht.

Die Anlage der Stadt (Aix) ist mit der Geometrie Avignons nicht vergleichbar.

Beim Aussteigen aus dem Bus in Aix waren meine Erwartungen sehr hoch, doch die Begeisterung über die höchste Lebensqualität, den Gipfel der Kunst und Kultur, der traum­hafte Kurort blieb erst einmal aus – dies alles war in dem Moment, als meine Füße die Av. Maurice Blondel betraten, nicht zu erbli­cken.

Den kleinen Zettel mit dem Weg zum Hotel fertige ich mir vorher immer an und somit führte dieser mich durch die Av. Victor Hugo, wo sich nach der ersten Ernüchterung, schon einige Andeutungen der Jubel-​Literatur zeigten, nämlich Häuser in Ockerfarben und mit Platanen gesäumte Straßen, die ja ein Markenzeichen der Städte in der Provence sind.

…na ja, ma sehn, wat da noch kommt!”, dachte ich meine Tasche mit Rädern hinter mir herzie­hend, die Kameratasche um die Schultern und den Zettel in der Hand – denn eines kommt in jeder Literatur über Aix vor und wird als einzig­artig, traum­haft, tradi­tio­nell, rausch­haft bezeichnet…

…und zwar die Prunkmeile COURS MIRABEAU

“1651 – 2002 – 2015”

…womit wir wieder bei der anfangs erwähnten in Düsseldorf wären.

Zur Erläuterung :
Die Cours Mirabeau ist die Flaniermeile von Aix aus dem Jahre 1651 – zu dama­liger Zeit hatte sie keinerlei Geschäfte und diente dem Adel ausschließ­lich zur Präsentation.
Im Laufe der Zeit, vor allem im 18. Jahrhundert, siedelten sich aber doch immer mehr Geschäfte, Cafés und Feinschmecker-​Läden in den alt-​ehrwürdigen Adelspalästen ein.
In der heutigen Zeit zeigen sich in den palas­t­ar­tigen Häusern auch Hotels, Banken etc.
Die reich gezierten Fassaden mit schmie­de­ei­sernen kunst­voll gestal­teten Balkonen geben dieser Prunkmeile ein herr­schaft­li­ches Aussehen.
Buchläden, Boutiquen und Souvenirläden laden zum Bummeln ein.

Reizvolle Architektur

Es ist wie so oft eine Platanen-​Allee und sie beginnt im Westen mit dem Fontaine de la Rotonde, einem prunk­vollen Brunnen in der Mitte eines Kreisverkehrs.

Fontaine de la Rotonde

Die ca. 1 km lange “Straße” hat in ihrer Mitte mehrere der moos­über­wach­senen markanten Brunnen aus frühen Jahren, die des Nachts durch die Beleuchtung gute Motive abgeben.

Fontaine des Neuf-​Canons

Den Reiz zur nächt­li­chen Stunde kann man kaum beschreiben, da ja mehreres zusam­men­kommt…
…eine beleuch­tete plata­nen­ge­säumte Flaniermeile bei lauen Temperaturen, ocker­far­bene Fassaden, viele schon leicht verblasste, palast­ähn­liche Bauten, reiz­volle Brunnen, geflaggte Laternenmasten, bis in die Nacht hinein geöff­nete Cafés, bummelnde Menschen (die dürfen ja nicht fehlen) – ein Stimmungsgemisch, was einen vieles vergessen lässt…

Nächtlicher Reiz

Einen Nachteil erkennt man, eher wieder nüch­tern geworden, am Tage, die durch­fah­renden Autos sind ein Störfaktor, wobei man sagen muss, dass die Cour Mirabeau oftmals für Märkte oder Veranstaltungen gesperrt und auto­frei ist.

…bei Märkten gesperrt

Sämtliche Altstadtgassen befinden sich entweder ober­halb oder unter­halb dieser “Wunder-​Achse” und man kommt beim Bummeln auch immer wieder auf ihr heraus.

Bei so viel rausch­haften Beschreibungen, darf man die Realität nicht aus den Augen verlieren, auch wenn ich als ersten Eindruck immer mit der Kamera im Anschlag nach der Ankunft durch die Gassen renne, um die Atmosphäre der Stadt in mein emotio­nales Gedächtnis abzu­bilden und auf Fotos fest­zu­halten.

Jetzt kam mal wieder ein schöner Zufall – meine Mutter lebte zu dem Zeitpunkt zwar nicht mehr, aber trotzdem war ich am Muttertag (10.05.) in Aix ange­reist, und auf einmal stand ich bei diesem ersten Bummeln vor einer Boutique, die den Namen meiner Mutter trug…

…im Namen meiner Mutter

“…na, wat dat wohl zu bedeuten hat…?”, dachte ich.

Man muss wissen, dass die Hotels in der Provence ja gene­rell sehr teuer sind, mein Hotel hier in Aix lag direkt an dieser Nobelmeile, da brauche ich nicht zu erwähnen, was es gekostet hat…
Denn das von außen herr­schaft­lich anmu­tende Gebäude, zeigte sich drinnen als ein ziem­lich einfache Hotel, was seinen Preis absolut nicht wert war.
Die Hotels in den anlie­genden Gassen waren aller­dings bei meiner Vor-​Recherche noch teurer…
Da kommen bei mir die trau­ma­ti­schen Erinnerungen an Florenz hoch, aber alles hat seinen Preis.

Wenn man dem Synonym “Stadt der Brunnen” folgt, kann man schon einige reiz­volle Dinge mit viel Ideenreichtum finden.

Aix-​gekühlt

Gute Ideen gehören einfach dazu.
Der recht­eckig ange­legte Platz Place des Cardeurs liegt weit ober­halb der Cour Mirabeau, trotzdem fand ich hier etwas, was man als eine wirk­lich gute Idee bezeichnen kann.
An einem Weingeschäft hatte man Sprüche oder Zitate auf die sich öffnenden und schlie­ßenden Entlüftungsklappen geschrieben.
Da kann man zynisch schon fast sagen, “…halt die Klappe!”
Na, wenn das keine gute Idee ist.

Klappe auf – Klappe zu

Doch etwas sauer über den unge­recht­fer­tigten Preis dieses Hotels, verließ ich dann nach 6 Tagen die Prunkmeile, wieder meine Tasche hinter mir herzie­hend, Richtung Busbahnhof, um den Bus nach Marseille zu erwi­schen.
Den Zettel mit der Lage des Hotels hatte ich schon wegge­worfen…

Es zeigte sich mir dann beim “Abschied” doch, dass auch das schon leicht Verblasste seinen Reiz und seinen Charme hat, und das hat nun mal seinen Preis…

Die Platonische Idee als wahres Seiendes


Was lernen wir daraus :

            “Alles beginnt mit einer Idee,
der Rest ist nur Entwicklung”


*
Festival d’Aix Provence (http://festival-aix.com/fr)

* Fotos zum nächt­li­chen Aix in meiner Bildergalerie Frankreich


(HerrRothBesucht)

 

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